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Braucht Ungarn eine Apokalypse?

28. Oct. 2013

Ein gemäßigter Analyst glaubt, dass ungarische Politiker öffentliche Stimmungen widerspiegeln. Polarisierung und Kampfrhetorik seien keine Erfindungen der Parteien, sondern würden vielmehr vom Wähler erwartet. Unabhängig von der Zusammensetzung der Regierung werde die Politik Uneinigkeit stiftend bleiben – es sei denn, die Ungarn würden in ihrem Ton und ihren Vorstellungen kompromissbereiter werden.

Wir sind das Problem“, meint Gábor Török in seinem Blog über den Zustand der politischen Kultur in Ungarn. Der gemäßigte Analyst weist die Behauptung zurück, die ungarischen Parteien seien verantwortlich für „den enttäuschenden Zustand der politischen Klasse“. Politiker würden gemäß der öffentlichen Erwartungen agieren, hebt Török hervor und vermerkt, dass Ministerpräsident Orbán kein Diktator sei. „Viktor Orbán will das Land nirgendwohin führen. […] Alles, was er will, ist von ihm unterstützt zu werden und im Amt zu bleiben.“ Orbán biete das, was die Ungarn von ihm verlangten: entzweiende politische Rhetorik und simple Botschaften anstelle einer bedeutsamen politischen Vision und Regierungsführung. Solange sich „die politische Kultur“ nicht ändere, fährt Török fort, werden sich die Personen im Amt – ungeachtet der Zusammensetzung der Regierung – ebenso verhalten. Török sinnt darüber nach, ob die Ungarn nicht vielleicht eine „Apokalypse“ bräuchten, eine umfassende politische Krise, um zu realisieren, dass politische Gegner nicht als existenzielle Feinde, Gegenstimmen nicht als Verrat und die beliebtesten Politiker nicht als Götter zu betrachten seien.

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