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Die Rolle des Fußballs in der Politik

21. Oct. 2013

Ein liberaler Autor beschreibt das Interesse von Viktor Orbán am ungarischen Fußball sowie dessen Unterstützung als symbolische Elemente einer Führerschaft im Stile der Mafia, während ein libertärer Kommentator davon ausgeht, dass der von ihm bevorzugte Fußball ein integraler Bestandteil der Ausbildung einer Nation und von den Kommunisten zerstört worden sei. Ein konservativer Kolumnist schreibt, liberale Kommentatoren versuchten, die Orbán-Regierung mittels verschiedener historischer Verweise zu diskreditieren, anstatt deren Natur zu verstehen.

In einer Analyse der „Fußballmanie“ Viktor Orbáns wendet sich Márton Kozák, ein früherer prominenter Freidemokrat, in der Druckausgabe von Magyar Narancs dagegen, Ministerpräsident Orbáns Politikentscheidungen – wie den Bau neuer Fußballstadien oder die Kanalisierung privater Mittel in die Förderung von Talenten – mit der bekannten Präferenz autokratischer Regime für spektakuläre und populäre Sportarten zu vergleichen. Während (der Regent der Zwischenkriegszeit) Horthy oder der kommunistische Parteichef Kádár den professionellen Sport unterstützt hätten, um den Rückhalt ihrer politischen Systeme mittels nationalem oder ethnozentrischem Stolz zu untermauern, ihre Lieblingssportarten jedoch nicht in Politik verwandelt hätten – im Falle Kádárs das Jagen – mache Orbán den Fußball, sein persönliches Interesse, zur nationalen Priorität. Diese neuen Stadien würden nicht mit glücklichen und enthusiastischen Fans gefüllt sein, meint Kozák, denn es gehe nicht um die gewöhnlichen Plätze, sondern um den VIP-Bereich, das heißt, die Bosse, die sowohl vom Bauwahn als auch der Zufriedenheit eines Mafiabosses bei der Zurschaustellung seiner Macht profitierten. „Die Massen sind dort, um in Hierarchie unterwiesen zu werden“, glaubt Kozáz, „nicht aber um der Unterhaltung willen.“

In Kapitalizmus, einem libertären Block mit Verbindung zu Heti Világgazdasság, beschuldigt ein Verfasser, der seine Kolumne unter dem Pseudonym Elek Tokvalvi (Paraphrase von Alexis de Tocqueville) schreibt, das Establishment ebenfalls, den professionellen Sport als Mafia-Staat in dem Sinne zu betreiben, dass „wenige auf Kosten Vieler profitieren“. Der Kapitalismus hingegen, so sein Gedankengang, bedeute, dass die Erfolgreichen profitierten, während sie den Fortschritt des Restes förderten. Er lehnt die Analyse von Kozák ab und überlegt, dass der Ministerpräsident ehrlich an die Rolle des Fußballs beim nationalen Wiedererwachen glaube und tatsächlich meine, dass ein Feind, den er als „die Kommunisten“ bezeichnet, derjenige sei, den man überwältigen müsse, um gerettet zu werden. Was Tokvalvi vermisst, ist ein geschäftsmäßiges Management auf der Grundlage eines wettbewerbsfähigen Marktes, was seiner Ansicht nach die einzige Möglichkeit wäre, den ungarischen Fußball zu kurieren.

In seiner Kolumne in Heti Válasz (Druckversion) kritisiert der Philosoph András Láncs, Direktor der regierungsnahen Denkfabrik Századvég, liberale Analysten, die weiterhin Orbán mit früheren politischen Epochen und Spitzenpolitikern vergleichen – ein sprachliches Hilfsmittel, um dessen Regierung zu diskreditieren. Lánczi meint, ein Vergleich Orbáns mit Pinochet oder Rákosi offenbare erbärmliches Denken. Selbst wenn Orbán dem Führerprinzip folge, bedeute das nicht, dass es sich bei ihm um den selben Typ Führerpersönlichkeit handele. Um Orbán zu verstehen, so Lánczi, sollten sie begreifen, dass Demokratie nicht notwendigerweise liberal sei. Diese Liberalen, so behauptet der Verfasser, fänden jede Demokratie fehlerhaft, in der sie nicht die Macht innehielten, denn sie verstünden nicht, dass es in der Demokratie nichts eigentümlich Linkes gäbe. Sie sei „ein Rahmen für unterschiedliche Interpretationen von Regierung“ mit unterschiedlichen Ideen darüber, wer die Ausübung von Macht beeinflussen könne.

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