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Roma-Stimmen: Neues Video wirft Fragen auf

21. Oct. 2013

Nachdem ein Video aufgetaucht ist, das zeigt, wie in einer Wohnung Roma ihre Stimmen gegen Bargeld tauschen, stellen Kommentatoren der Mitte die Glaubwürdigkeit der Aufnahmen infrage, während sich linksliberale Kolumnisten darüber beklagen, dass ungarische Roma ihre Stimmen verkaufen, weil sie keine andere Möglichkeit im Bereich des politischen Lebens erkennen können.

HVG veröffentlichte ein zehnminütiges Video, in dem zu sehen ist, wie ein Roma vier anderen Roma versichert, dass, falls sie in Baja dem Fidesz-Kandidaten Roma-Stimmen besorgen könnten, jeder 50.000 Forint plus Feuerholz bekommen würde. Für den vorherigen Urnengang übergibt er 200.000 Forint. Die erste Zwischenwahl war in einem Wahlbezirk der Kleinstadt gerichtlich annulliert worden, weil Wähler gruppenweise per Kleinbus ins Wahllokal gefahren worden waren. Auch den wiederholten Urnengang hatte der Fidesz-Kandidat für sich entscheiden können (vgl. BudaPost vom 15. Oktober). Obgleich die Opposition behauptet, dass es auch bei der Wahlwiederholung zu Unregelmäßigkeiten gekommen war, hatte sie keinen Einspruch gegen das Ergebnis eingelegt. Sie begründeten dies mit dem Argument, die Wähler seien des wiederholten Abstimmens überdrüssig. Nach dem Auftauchen des Videos forderten die Sozialisten nunmehr eine Neuwahl. Der Fidesz bat die Staatsanwaltschaft um eine Untersuchung der Hintergründe der Videoaufnahme sowie der Umstände, unter denen sie entstanden sei. Der Bürgermeister von Baja erklärte, keines der Videos sei gestellt und zeige Personen, die nicht in Baja ansässig seien. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen berichtete am Sonntag, dass sein Verdacht seitens der Polizei bestätigt worden sei.

444 beurteilt die Aufnahme und kommt zu dem Schluss, dass sie „sehr amateurhaft“ produziert worden sei – unabhängig davon, ob sie authentisch sei oder gefälscht. Die anwesenden Männer reagierten offenbar nicht auf die Tatsache, während des illegalen Geschäfts gefilmt zu werden. Obgleich jede Aussage in dem Video sowohl wahr als auch unwahr sein könnte, erscheint den Autoren als plausibelste Erklärung die, wonach die Roma-Organisatoren sicherstellen wollten, dass sie im Falle einer ausbleibenden Zahlung noch einen Trumpf in der Hinterhand haben.

Cink pflichtet 444 bei und hält es für sehr unglaubwürdig, dass das Video von einem der beiden politischen Lager fabriziert worden sei. Es sei höchst unverantwortlich und dumm, fügt der Autor hinzu, dass sowohl die Linke als auch der Fidesz versuchten, die Aufnahme als politische Waffe einzusetzen.

In Galamus beschuldigt Ferenc Krémer die Roma-Organisatoren, sie würden „ihre Leute und deren Kinder“ für Glasperlen verkaufen. Der Verfasser behauptet, der Fidesz betrachte die Roma als eine Chance, denn örtliche Fidesz-Bosse wüssten, dass sie Roma mittels kleiner Gefälligkeiten gegenüber Roma-Führern stets manipulieren könnten. Während „offizielle Roma-Organisationen Ursache und Nutznießer von Roma-Sklaverei“ seien, kämpften Roma-Unternehmer darum, wer als der „Vajda“ (Führer) zu titulieren sei. Niemand wird den Roma mehr geben als etwas Brennholz, solange sie ihr „Sklavendasein“ akzeptierten. Falls sie von der Mehrheitsbevölkerung ernst genommen werden wollten, schlussfolgert Krémer, müssten die ungarischen Roma gegen ihre korrupten Führer rebellieren und die Erniedrigung zurückweisen.

In einem Interview mit Index beschuldigt der Roma-Aktivist Jenő Setét, Veranstalter des Roma Pride Day, Linke und Rechte gleichermaßen, „die Roma nicht ernstzunehmen“. Parteien, fährt er fort, sprächen zwischen zwei Wahlen nicht mit den Roma. Roma-Organisationen und ihre führenden Funktionäre wirft er vor, sie würden „weit abseits der normalen Roma“ existieren. Die Organisatoren sollten sich wieder auf die bodenständige Politik besinnen. Er glaubt, es sei unrealistisch von der Mehrheit „zu erwarten, dass eine Minderheit mit einer 90-prozentigen Arbeitslosigkeit ihre eigenen Probleme löst“. Parteien würden die Roma bei Wahlen einfach nur benutzen, behauptet Setét. „Stimmen werden für ein Kilogramm Hühner-Hintern gekauft“. Wenn im Laufe von 25 Jahren niemand einen Roma-Bezirk abgelaufen sei und sich nach den Problemen der Bewohner erkundigt habe, sei es kein Wunder, dass sich die Roma nach dem einzigen Vorteil umsehen, den sie von der ungarischen Politik zu erwarten haben, nämlich dem Verkauf ihrer Stimme.

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