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Ein marxistischer Philosoph über Horthy und den Kapitalismus

13. Nov. 2013

Der sehr bekannte linke Philosoph Gáspár Miklós Tamás wendet sich mit einem Beitrag an liberale und konservative Kritiker der Horthy-Gedenkveranstaltung der vergangenen Woche. Dabei bezeichnet er es als absurd, die Kritik an der Zwischenkriegszeit lediglich auf den Aspekt des Antisemitismus zu beschränken.

„Zuweilen hat es den Anschein, als hätten wir es mit Reaktionären aller Couleur auf der einen und einzig den Juden auf der anderen Seite zu tun. Ein Tollhaus!“, schreibt Gáspár Miklós Tamás in Népszabadság. Diejenigen, die gegen die Enthüllung einer Horthy-Büste im Eingangsbereich einer Kirche in der Stadtmitte von Budapest durch Rechtsextreme protestierten (vgl. BudaPost vom 7. und 9. November), hätten einzig und allein beklagt, dass Horthy noch amtiert habe, als über 400.000 ungarische Juden in die Todeslager der Nazis deportiert wurden. Tamás teilt ihre Entrüstung, führt aber ins Feld, dass das Regime der Zwischenkriegszeit sozial und politisch ungerecht agiert sowie unter den fortschrittlichen Intellektuellen Ungarns als unterdrückerisches System gegolten habe. Auf der anderen Seite seien sämtliche kapitalistischen Gesellschaften ungerecht und unterdrückerisch, meint Tamás und behauptet gar, dass sie geradezu vorprogrammiert seien, „Antisemitismus“ hervorzubringen, womit er Rassismus meint – eine Art Hass, der nunmehr in den entwickelten Ländern gegen Einwanderer fremder Herkunft gerichtet sei. Letztendlich sei all dies eine Frucht des Privateigentums und des Antikommunismus, gibt sich Tamás überzeugt. Und da die Konservativen Ungarns eine auf diesen beiden Prinzipien beruhende Ordnung aufrechterhielten, begingen sie einen Irrtum, wenn sie sich das Erbe Horthys nicht zu eigen machten.

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