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Jobbiks Gedenkmarsch für Horthy

19. Nov. 2013

Die Tageszeitung Népszabadság vertritt die Ansicht, dass die rechtsextreme Partei Admiral Horthy vor allem deswegen feiert, um Reaktionen zu provozieren und auf diese Weise Eingang in die Fernsehnachrichten zu finden.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen hat die rechtsextreme Partei Jobbik eine Veranstaltung zum Gedenken an Admiral Horthy abgehalten. Dabei marschierten am Sonntag, 17. November, mehrere hundert Horthy-Getreue zum Gellért-Platz, wo sich der Admiral im November 1919 erstmals in Budapest in einer Rede an seine Anhänger gewandt hatte. Kurz zuvor war die bolschewistische Diktatur Ungarns, die sogenannte Räterepublik, durch einmarschierende rumänische Truppen niedergeschlagen worden. 1920 drängte Horthy das Parlament, ihn zum Reichsverweser zu wählen, und regierte bis zur Machtübernahme durch die ungarischen Nationalsozialisten (Pfeilkreuzler) im Oktober 1944, als er von den Nazis nach Deutschland deportiert wurde. In der ausländischen Presse wird Horthy häufig als Kriegsverbündeter Hitlers beschrieben, Historiker hingegen zeichnen ein etwas differenzierteres Bild seiner politischen Karriere. Am umstrittensten sind vor allem zwei Fragen: Hätte er einen Eintritt Ungarns in den Zweiten Weltkrieg an der Seite Hitlers verhindern und 1944 nach der Invasion Ungarns durch die Wehrmacht über 400.000 ungarische Juden vor der Deportation in die Nazi-Todeslager retten können?

Am 3. November hatten mehrere Jobbik-Parlamentarier an der Enthüllung einer Horthy-Büste durch den extrem rechtsorientierten Pfarrer einer kalvinistischen Kirche in Budapest teilgenommen (vgl. BudaPost vom 7. November). Zum Termin dieser Veranstaltung hatte sich Jobbik-Chef Gábor Vona zu einer Vortragsreise in der Türkei aufgehalten. Auch am Gedenkmarsch vom Sonntag nahm er nicht teil.

Laut dem Leitartikel auf Seite eins von Népszabadság ist sich Jobbik bewusst, dass der Kult um Horthy sowohl im In- wie auch im Ausland breitgefächerte Proteste auslöst. Und genau deswegen überträfen sich deren Politiker gegenseitig mit dem Jubel um seine Person. Tatsächlich falle es Politikern, die nicht auf Regierungskurs liegen, äußerst schwer, in die Hauptnachrichtenprogramme zu gelangen. Einen möglichen Weg in diese Programme hinein böten extravagante Aktionen. Zuweilen griffen Abgeordnete kleinerer Parteien auf lautstarke Proteste während Plenarsitzungen des Parlaments zurück, wobei sie empfindliche Geldstrafen riskierten. Bei anderer Gelegenheit wiederum spielten sie einfach die „Horthy-Karte“ – und ihr Erscheinen im Fernsehen sei garantiert. Derartige Aktionen, fährt Népszabadság fort, verpassten Jobbik ein gut differenzierbares politisches Profil, sagten aber nichts darüber aus, was die Partei im Falle eines Wahlsieges tun würde. Die linksorientierte Tageszeitung räumt ein, dass sich die regierenden Mitte-rechts-Kräfte von diesen Horthy-Feierlichkeiten distanzierten, glaubt aber, dass deren Widerstand mit Blick auf den immer stärker werdenden Kult um Horthy nur mäßig ausfällt. Népszabadság beschuldigt die Regierungsparteien, sie verfügten über keine anderen historischen Vorbilder als diejenigen, die die Zwischenkriegszeit zu bieten habe. Das Blatt erinnert an József Antall (1932 bis 1993), den ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Ungarns. Dieser rechtsorientierte Politiker habe seine Vorbilder unter konservativen Liberalen des 19. Jahrhunderts ausfindig gemacht. Fidesz-Spitzenpolitiker hingegen hätten mit Antalls Erbe gebrochen, beklagt Népszabadság. (Die sterblichen Überreste von Horthy wurden im September 1993 von Portugal, wo er als Exilant 1957 gestorben war, nach Ungarn zurückgeführt und in einer privaten Zeremonie, an der jedoch auch einige Minister, regierungsfreundliche Spitzenpolitiker und sogar Mitglieder der Familie von Józef Antall teilnahmen, erneut bestattet. – Anm. d. Red.)

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