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Radnóti-Statue zerstört – Magyar Hírlap verurteilt Reaktion des „Spiegel“

22. Nov. 2013

Die regierungsfreundliche Tageszeitung findet, liberale und ausländische Beobachter sollten sich dafür entschuldigen, dass sie einen einfachen nächtlichen Autounfall als Akt des Antisemitismus in Ungarn gewertet hätten.

In den frühen Morgenstunden am Sonntag, den 17. November, steuerte ein schwarzer Mercedes in die Statue von Miklós Radnóti, einem berühmten ungarischen Dichter, der zusammen mit 21 Leidensgefährten im November 1944 erschossen wurde, als er auf einem Gewaltmarsch erschöpft zusammenbrach. Sein Arbeitsbataillon war von den Wachen zu Fuß von einem serbischen Arbeitslager an die ungarische Westgrenze getrieben worden. Ihm zum Gedenken wurde 1980 eine Statue an der Stelle errichtet, an dem 1945 seine sterblichen Überreste exhumiert worden waren. Der Fahrer des Mercedes meldete sich zwei Tage später und gab bei der Polizei an, auf dem Weg zu einem Nachtclub in Győr die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren zu haben.
In Magyar Hirlap fragt der stellvertretende Chefredakteur László Szentesi Zöldi, warum jene, die den Unfall als Beweis eines zügellosen Antisemitismus beschrieben hatten, nunmehr schwiegen, anstatt ihren Fehler einzugestehen. Er wendet sich an die internationale Presse, allen voran den „Spiegel“, der berichtet hatte, die Statue sei wahrscheinlich von rechten Extremisten und Antisemiten zerstört worden. (Fakt ist, dass Spiegel Online eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa veröffentlichte, die dann am Montag wortgetreu und reihenweise von deutschen Zeitungen wiederverwertet wurde. – Anm. d. Red.)
Szentesi Zöldi protestiert gegen den, wie er es sieht, Vorwurf, wonach sich die ungarische Regierung einer stillschweigenden Billigung von Antisemiten schuldig mache. (Der SpOn-Bericht beinhaltet auch eine kommentierende Passage, wonach Ministerpräsident Orbán „unerwartete Töne“ angeschlagen habe, da seine Regierung für das Jahr 2014 ein Holocaust-Gedenkjahr plane und damit hoffe, das Bild einer Institution abzustreifen, die sich „nicht klar genug vom Antisemitismus“ abgrenze. – Anm. d. Red.)
Szentesi Zöldi bezeichnet es als nicht hinnehmbar, dass der deutsche Autor Radnóti als jüdischen Dichter beschreibe, da sich Radnóti selbst nicht als jüdisch betrachtete habe, ein gläubiger Christ gewesen sei und ethnozentrische sowie rassische Konzepte als „Müll“ abgetan habe. „Er musste wegen eines solchen Menschenschlages sterben, den wir vor 70 Jahren die Toilette runtergespült haben“, fährt Zöldi fort und beschuldigt jene, die überall Antisemitismus witterten, Ungarn zu Unrecht Schaden zuzufügen.

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