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Forint unter Druck

3. Feb. 2014

Ein Wirtschaftsanalyst ist der Meinung, Kritiker hätten die Nationalbank zu rasch dafür verurteilt, dass diese angesichts des rapiden Forint-Wertverlusts der vergangenen Woche nicht auf eine schnelle „verbale Intervention“ zurückgegriffen habe. Ein regierungsfreundlicher Kolumnist fordert von Entscheidungsträgern Überlegungen Richtung Beitritt zur Eurozone, um Ungarn vor Währungsfluktuationen zu schützen.

Die ungarische Währung hat in der vergangenen Woche gegenüber dem Euro und dem US-Dollar um über drei Prozent nachgegeben. György Matolcsy, Chef der Nationalbank, wurde daraufhin sogar von regierungsfreundlichen Analysten kritisiert, dass er die Entschlossenheit der Emissionsbank zum Schutze des Forint nicht ausdrücklich erklärt habe.

Auf Portfolio erklärt der Finanzanalyst Isván Madár, dass eine verbale Intervention von Matolcsy nur dann Sinn ergeben hätte, wenn die Nationalbank über eine Politik steigender Zinssätze nachgedacht hätte. Was immer seine [Matolcsys – Anm. d. Red.] Kritiker auch vorbrächten, so wolle er den Kurs halten und eine Erhöhung so lange wie möglich vermeiden – in der Hoffnung, dass sich der Sturm legen werde, bevor in drei Wochen die nächste Zinsentscheidung anstehe. Ungarns Wirtschaft sei in keiner schlechten Verfassung, argumentiert Madár. Jedoch finde sich das Land in einer Gruppe von aufstrebenden Ländern wieder, mit denen es wenig gemeinsam habe: Im Gegensatz zu den meisten von ihnen verfüge Ungarn über eine positive Handelsbilanz, eine extrem niedrige Inflationsrate und eine öffentliche Verschuldung von weniger als drei Prozent. Jedoch bleibe abzuwarten, ob Investoren zu einer Unterscheidung zwischen der einen und der anderen „aufstrebenden Wirtschaft“ bereit seien.

Csaba Szajlai, führender Wirtschaftskommentator von Magyar Hírlap, fordert die Regierung auf, ein Datum für den Beitritt zur Eurozone festzulegen und möglichst bald deren Vorzimmer, den Wechselkursmechanismus II, zu betreten. (Eine mindestens zweijährige spannungsfreie Teilnahme an diesem Wechselkursabkommen stellt eines der Konvergenzkriterien zur Einführung des Euro dar – Anm. d. Red.) Ohne explizit skeptische Äußerungen des Ministerpräsidenten oder des Nationalbankchefs zu zitieren, versucht der Autor leidenschaftlich diejenigen Gründe zu entkräften, auf die sich die Regierung immer gerne beruft, um die Nichteinführung des Euro auf absehbare Zeit zu rechtfertigen. Ungarn halte das Verschuldungskriterium ein und obwohl die öffentlichen Schulden nicht wirklich gesunken seien, bestünde dennoch Hoffnung auf eine fallende Tendenz. Auch die Inflationsrate befände sich unterhalb der Maastricht-Kriterien. Zugegebenermaßen, fährt Szajlai fort, reflektiere dies ein einmaliges Ereignis, nämlich die Auswirkungen der Senkung von Versorgungsdienstleistungstarifen vom vergangenen Jahr. Ebenso sei wahr, dass die auf Staatsanleihen zu zahlenden Erträge unter den gegenwärtigen Umständen kaum fallen würden. Jedoch sei Ungarn noch nie so nah dran gewesen, die Maastricht-Kriterien zu erfüllen. Doch angesichts seiner schwachen und offenen Wirtschaft sei Ungarn den Marktschwankungen viel zu massiv ausgesetzt, als dass das Land der Gemeinschaftswährung nicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt beitreten sollte. Unterdessen würde auch die Bonitätseinstufung Ungarns vom Beitritt zur Eurozone profitieren. Szajlai glaubt, dass die Regierung dem Wechselkursmechanismus II bereits im kommenden Jahr beitreten sollte. Der Autor schließt mit einer Erweiterung von Viktor Orbáns gewöhnlichem Appell: „Vorwärts, Ungarn! Vorwärts, ungarischer Euro!“

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