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Ein Wochenende im Zeichen des Wahlkampfes

1. Apr. 2014

Beobachter bewerten die Massenkundgebungen vom letzten Wochenende vor der Wahl als zahlenmäßiges und verbales Kräftemessen. Während linksliberale Kommentatoren die Ansicht vertreten, der Fidesz unterschätze den Herausforderer, hält eine renommierte regierungsfreundliche Kommentatorin die Großveranstaltung der vereinten Opposition für armselig und lächerlich.

Am Samstag marschierten Unterstützer der Regierung vom Parlament zum Heldenplatz, wo sie von Viktor Orbán mit einer optimistischen Rede empfangen wurden, die Analysten als im Ton versöhnlicher als sonst üblich beschrieben. Am darauffolgenden Sonntag hielt die Oppositionsallianz ihre eigene Versammlung ab. Die führenden Politiker der Linken riefen dabei zu einer letzten Anstrengung auf, um Viktor Orbán aus dem Amt zu befördern.

Die Kundgebung vom Sonntag beweise, dass die Opposition nicht unterschätzt werden sollte, wie sehr die öffentlich-rechtlichen Medien ihre Bedeutung auch zu schmälern versuchten, behauptet János Dési in Népszava. Obwohl Teilnehmer einer solchen Versammlung nicht überzeugt werden müssten, verleihe allein ihre Zahl denjenigen Hoffnung, die sich einen Abgang Orbáns ersehnten.

In einem der fünf Kommentare, die Népszabadság der Massenkundgebung widmet, denkt László Rab, dass die Regierung und die Fidesz-freundliche Stimmung die Opposition abwerteten, indem man sich einer Teilnahme an Wahlkampfdebatten verweigere. Wenn der Gegner so schwach sei, könne auch der Sieg nicht so großartig ausfallen, hält der Autor fest und warnt, dass die Wahl noch eine Überraschung für Fidesz bereithalten werde.

Welche Auswirkungen die Wochenendveranstaltungen auch hätten, die Gewinner der letzten Wochen vor der Wahl seien Jobbik und LMP, findet Ervin Tamás in derselben Tageszeitung. Beide Parteien würden Protestwähler von beiden politischen Lagern einheimsen. Ein Fidesz-Sieg wiederum würde kaum die Beschwichtigung bringen, die manche Analysten erwarteten. Unterstellter Wahlbetrug, die hohe Anzahl von Pseudo-Parteien und weitere Anomalien werden nach Ansicht des Autors ein Legitimitätsdefizit der zukünftigen Mehrheit verursachen.

In der Druckausgabe von Magyar Nemzet wirft Dávid Megyeri den Sozialisten vor, eine „Orgie der Angst“ vom Stapel gelassen zu haben, deren offensichtliches Ziel es sei, die Legitimität des Wahlergebnisses zu untergraben. Der Autor fragt, ob sich die Oppositionsführer auch dann über Wahlbetrug beschweren würden, falls sie auf der Siegerstraße wären.

Magyar Nemzet widmet den Wochenendveranstaltungen zudem eine Reihe von Kommentaren. Zsuzsanna Körmendy hat sowohl etwas Armseliges als auch etwas Lächerliches in den Reden der Oppositionsführer entdeckt. In ihrer Wahrnehmung hat das Wochenende „einen ausgeglichenen Samstag und einen angespannten Sonntag“ gebracht. Sie prophezeit dennoch, dass der noch bevorstehende Restwahlkampf schmutzig werde.

Ebenfalls in Magyar Nemzet wird das Interview des Politanalysten János Simon zusammengefasst, das dieser dem regierungsfreundlichen Lánchíd Rádió gegeben hatte. Anders als die Oppositionsführer habe Viktor Orbán davon Abstand genommen, seine Gegner zu beleidigen. Die Oppositionskoalition wiederum werde nur durch ein einziges Gefühl zusammengehalten: Hass auf Viktor Orbán.

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