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Interne Kritik wegen Mazsihisz-Boykott

18. Apr. 2014

Vertreter einer bekannten jüdischen Stiftung verurteilen den Beschluss des Nationalrats der jüdischen Gemeinden (Mazsihisz), die Gedenkveranstaltungen anlässlich des Holocaust-Gedenkjahres zu boykottieren. Sie bezeichnen die Entscheidung als klare Kompetenzüberschreitung, die jetzt schon in einer Verfestigung des Antisemitismus resultierte.

In einem ausführlichen Artikel in Népszabadság melden sich Dániel Bodnár und der frühere SZDSZ-Parlamentsabgeordnete András Bőhm zu Wort. Bodnár ist Vorsitzender, Bőhm Vorstandsmitglied der TEV-Stiftung, einer jüdischen Organisation, die mit dem Ziel gegründet wurde, Antisemitismus zu bekämpfen. Die beiden Autoren werfen der Mazsihisz-Führung Radikalismus vor und kritisieren zudem, dass man der linken Opposition erlaubt habe, „die jüdische Karte” zu spielen – ungeachtet der vorhersehbaren Konsequenzen. (TEV ist im Grunde eng mit Mazsihisz verbunden, dessen Vorsitzender András Heisler arbeitet selbst im TEV-Vorstand mit – Anm. d. Red.) Allerdings, so argumentieren die Autoren, habe sich „die leicht fügsam zu machende Mazsihisz-Führung” selbst auf einen Kollisionskurs führen lassen, der keinen positiven Ausweg biete. Nach Ansicht der Autoren gingen die Kompetenzen einer jüdische Gemeinden vertretenden Organisation auf dem Feld der Politik nicht über Proteste gegen Antisemitismus hinaus. Bodnár und Bőhm missfällt das kontroverse Nazi-Invasionsdenkmal (vgl. BudaPost vom 12. April) sowohl ästhetisch als auch hinsichtlich des historischen Kontextes. Aber ebenso verurteilen sie Mazsihisz für dessen Boykott der staatlichen Holocaust-Gedenkveranstaltungen und die Zurückweisung staatlicher Finanzzuschüsse im Rahmen des Holocaust-Gedenkjahres. Die Opposition ziehe eine erhebliche Genugtuung aus der Kollision zwischen der jüdischen Gemeinschaft und der Regierung, meinen die Autoren, aber im Ergebnis sei eine Zunahme des Antisemitismus bereits spürbar. „Dieses Versagen wird man zu erklären haben”, schließen die Autoren.

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