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Wahlniederlage: Sind linksliberale Intellektuelle schuldig?

25. Apr. 2014

Eine linksliberale Tageszeitung hält prominente Intellektuelle nunmehr für ein möglicherweise leichtes Zielobjekt für Kritik, doch hätten nicht sie die Sozialisten davon abgehalten, durchs Land zu reisen und die Menschen von einer Stimmabgabe zu ihren Gunsten zu überzeugen.

Seit dem überwältigenden Wahlsieg des Fidesz haben verschiedene linksliberale Blogs und Publikationen „einer breiteren Öffentlichkeit bekannte Intellektuelle“ wie die Philosophin Ágnes Heller sowie den Schriftsteller György Konrád gescholten, die sich mit ihrer Autorität für die Bildung einer Allianz zwischen der Sozialistischen Partei und liberaleren Gruppierungen eingesetzt hatten. Nach Ansicht der Kritiker haben diese privilegierten Intellektuellen damit den Linksschwenk der MSZP zum Scheitern verurteilt. Das verblüffendste Beispiel einer solchen Stellungnahme war der Facebook-Eintrag von Zsolt Török. Der ehemalige Abgeordnete und Sprecher der Sozialistischen Partei beschuldigte linke Denker, sie seien ursächlich für die Zweidrittelmehrheit des Fidesz sowie das Erstarken der rechtsradikalen Partei Jobbik verantwortlich.

In Népszabdaság nimmt Ervin Tamás die Angeprangerten gegen Török in Schutz. Es sei mittlerweile so modisch wie einfach, sie als kleines Grüppchen aggressiver Außenseiter (oder ehemaliger Freidemokraten) zu brandmarken, die von ihren Sesseln aus einer große Partei ihren Willen diktieren wollten. (Die mittlerweile nicht mehr aktiven Freien Demokraten waren der kleine Koalitionspartner in sämtlichen sozialistisch geführten Kabinetten – Anm. d. Red.) Allerdings – so Tamás – hinkten derartige Ausflüchte. Es mag zwar sein, dass „innerstädtische Budapester Zirkel“ möglicherweise „unrealistischen Vorstellungen“ nachhingen, doch hätten sie keinesfalls die Sozialisten daran hindern können, ihre kleiner werdende Anhängerschaft auf dem Lande zurückzugewinnen. Örtliche Beobachter hätten keine wirkliche sozialistische Organisation auf dem Lande an der Arbeit gesehen, da es mehr Streitereien als Wahlkampfveranstaltungen gegeben habe. Die Sozialisten seien zu einer „inhaltsleeren und langsamen Maschine“ mutiert und hätten vergessen, dass sich Wahlen nicht ohne Begeisterung und Laufarbeit gewinnen ließen. Der Autor nimmt mit scharfen Worten die Kritiker der gegen den Bau eines Nazi-Invasionsmahnmals gerichteten Bewegung ins Visier (vgl. BudaPost vom 24. April), die argumentieren, dass sich die Linke lieber um die Alltagssorgen der Menschen kümmern und nicht mit symbolischen Fragen beschäftigen sollte. Für Tamás sollten diese beiden Aspekte einander nicht ausschließen. Andernfalls bliebe nichts weiter übrig als „riesige leere Hallen mit einigen verbitterten in den Ecken hockenden Leuten“.

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