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Orbán zur Todesstrafe

26. May. 2014

Ein christlich-konservativer Kolumnist kommentiert die Anmerkungen von Ministerpräsident Viktor Orbán zur Todesstrafe und hebt hervor, dass es christlichen Werten widerspräche, jemandem das Leben zu nehmen – selbst wenn solche Maßnahmen dazu beitrügen, das Leben anderer zu schützen, indem Kriminelle von Gewaltverbrechen zurückschrecken würden.

In seinem wöchentlichen Interview mit Kossuth Radio verteidigte Ministerpräsident Viktor Orbán am Freitag Ungarns Recht, Kriminelle zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Aussicht auf Entlassung zu verurteilen. Das Europäische Gericht für Menschenrechte hatte entschieden, dass ein solches Urteil der europäischen Menschenrechtskonvention widersprechen würde (vgl. BudaPost vom 23. Mai). Orbán sagte, dass die Aussicht auf harte Strafen Kriminelle effektiv von Fehlverhalten abschrecken würde. In einer Randbemerkung sagte Orbán, die Todesstrafe wäre auch „eine Messe wert“. „Jemandem das Leben zu nehmen stellt unzweifelhaft ein ernstzunehmendes moralisches Dilemma dar, aber es könnte auch andere Leben schützen, indem Kriminelle abgeschreckt werden“, so der Ministerpräsident.

Wenn wir wirklich ein christliches Europa haben wollen, sollte die Möglichkeit der Einführung der Todesstrafe gar nicht erst auf die Tagesordnung gesetzt werden, schreibt Szabolcs Vörös in Magyar Hírlap. (Es ist einer der seltenen Kommentare in dem regierungsfreundlichen Blatt, der den Ministerpräsidenten kritisiert – Anm. d. Red.) Der konservative Kolumnist hält eine lebenslange Haftstrafe ohne Aussicht auf Entlassung für streng genug, um Menschen von gewalttätigen Verbrechen abzuschrecken. Jemandem das Leben zu nehmen, würde den wichtigsten christlichen Werten widersprechen, selbst wenn dadurch indirekt das Leben anderer geschützt würde, argumentiert Vörös. Falls die Regierung die erneute Einführung der Todesstrafe beschlösse, könnte sie nicht mehr behaupten, für christliche Werte einzustehen. Abschließend äußert Vörös seine Hoffnung, die Äußerung des Ministerpräsidenten sei nur Teil des Europawahlkampfes und werde keine Auswirkungen haben.

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