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Bajnai und Bilderberg – alles wird komplizierter

3. Jun. 2014

Eine liberale Wochenzeitung bezeichnet jüngste Anschuldigungen rechter Beobachter gegen die Bilderberger als Verschwörungstheorien. Ein Kommentator des Regierungslagers dagegen hält die diesjährige Einladung an Gordon Bajnai für ein mögliches Signal, dass man sich in die inneren Angelegenheiten Ungarns einmischen möchte.

Der frühere ungarische Ministerpräsident Gordon Bajnai hatte am vergangenen Wochenende an der in Kopenhagen tagenden Bilderberg-Konferenz teilgenommen. Dass Bajnai als einziger Vertreter seines Landes bei diesem Treffen von Spitzenpolitikern und führenden Vertretern der Wirtschaft aus aller Welt anwesend war, stieß in rechten Medien auf massive Kritik (vgl. BudaPost vom 2. Juni).

Im Blog von Magyar Narancs bezeichnet Tamás Szele derartige Meinungen als „Verschwörungstheorien“ und vermerkt ironisch, dass die Anwesenheit des Präsidenten der Ungarischen Nationalbank, György Matolcsy, zwar für eine größere Belustigung gesorgt hätte, doch hätten diese „Langweiler“ Wirtschaftsfragen erörtern wollen, wofür Gordon Bajnai nach Ansicht von Magyar Narancs der möglicherweise beste Kandidat gewesen sei. Szele weist auch den Verdacht zurück, dass Geheimhaltung niederträchtige Absichten verberge. Der Bilderberg-Klub – so die These – folge den sogenannten Chatham House-Regeln, wonach die Teilnehmer freimütig über auf der Konferenz besprochene Themen reden dürften, die Anonymität der Redner allerdings zu wahren sei. Szele verweist auch auf das Nachrichtenportal Index.hu, das die Tagesordnung der Konferenz veröffentlicht hatte, darunter Themen, die weltweit breit diskutiert würden.

In seiner regelmäßigen Kolumne für Magyar Nemzet bezeichnet der Politologe und Organisator der regierungsfreundlichen „Friedensmärsche“, Tamás Fricz, den Bilderberg-Klub als das genaue Gegenteil von Demokratie. Die Konferenz umgebe ein Schleier der Geheimhaltung, und so fragt Fricz, ob „CNN, die BBC und Reuters eine derartige Geheimniskrämerei deswegen tolerieren, weil deren Eigentümer Mitglieder des Klubs sind“. Der Autor betont zudem die Anwesenheit der aus ihrem Amt scheidenden EU-Kommissarin Viviane Reding, einer entschiedenen Kritikern von Viktor Orbán. Fricz pflichtet anderen Kommentatoren aus dem rechten Lager bei, die die Bilderberger für das zweitwichtigste internationale Forum nach dem Rat für auswärtige Beziehungen (Council of Foreign Relations) halten. Auch seien es die Bilderberger gewesen, die „einen völlig unbekannten Clinton“ zum Präsidenten gemacht hätten. Und so hat Fricz nur Spott für Behauptungen aus dem linken Spektrum übrig, wonach es sich bei der Konferenz lediglich um ein Treffen führender Persönlichkeiten aus aller Welt handele. „Sie werden sich entschuldigen müssen“, so Fricz, „wenn herauskommt, dass unsere Verschwörungstheorien richtig waren.“

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