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Deutschland ist Weltmeister – was lehrt uns das?

16. Jul. 2014

Nach Ansicht von politischen Beobachtern kann man aus der Art und Weise, wie sich Deutschland auf den Fußball fokussiert, etwas lernen. Dabei besteht Einigkeit, dass der deutsche Ansatz über das reine Spiel hinausweist, denn es gehe unter anderem auch um langfristiges Planen, Fingerspitzengefühl, Geschäfte und politisches Marketing.

In Magyar Nemzet erinnert Miklós Novák daran, dass Deutschland zum vierten Mal die Weltmeisterschaft gewonnen und es bereits achtmal ins Finale geschafft hat. Mit dem deutschen Fußball habe es also etwas ganz Besonderes auf sich. Das aber seien nicht die Spieler, konstatiert der Autor. Es handele sich weder beim Torschützenkönig noch beim wichtigsten Spieler um Deutsche. Die Deutschen seien die beste Mannschaft gewesen, und zwar aufgrund ihrer langfristigen Planung sowie ihrer Hartnäckigkeit. Beredtes Beispiel dafür sei die Tatsache, dass in der 100-jährigen Geschichte ihrer Nationalmannschaft lediglich zehn Trainer für sie gearbeitet hätten. Andere Länder hingegen wechselten ihre Trainer alle zwei oder drei Jahre aus. Novák stellt die Frage, weswegen Ungarn nicht fähig sei, das deutsche Modell „wenigstens im Fußball“ zu übernehmen. (Ungarn galt einst als fußballerische Weltmacht, hat jedoch seit 1986 kein Endrundenturnier mehr erreicht – Anm. d. Red.)

Für Edit Inotai stellt die deutsche Mannschaft ein bedeutendes PR-Instrument dar und ihr Sieg werde die Exporte und Auslandsinvestitionen ankurbeln. In Népszabadság stellt die Autorin fest, dass sich das Team wegen seines kunterbunten Charakters im Ausland einer besonderen Anziehungskraft erfreue, „mit einem Halb-Tunesier (Khedira), einem Halb-Ghanaer (Boateng) und einem Türken (Özil), die gemeinsam mit dem in Polen geborenen Miroslav Klose und Schweinsteiger, dem Bayern, spielen“. Auch hätten sie ihr Bestes getan, um die brasilianische Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. In diesem Sinne seien lokale Bildungseinrichtungen und Waisenhäuser unterstützt worden und so hätten sie sich selbst ungeachtet des 7:1-Sieges über die Heimmannschaft beliebt gemacht. Der erreichte Sieg sei auch auf die sorgfältige Planung eines Landes zurückzuführen, das sich um einen größeren Einfluss auf das Weltgeschehen bemühe und dabei auf weiche „Waffen“ zurückgreife, von denen der Fußball lediglich eine sei.

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