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Strategien für eine Wiederbelebung der Linken

14. Jul. 2014

Politologen raten den Linksparteien erneut zu lernen, wie Politik funktioniere und eine vierstufige Strategie mit dem Ziel zu verfolgen, sich selbst neu zu erfinden.

Die beiden beherrschenden Rechtsparteien, Fidesz und Jobbik, seien die einzigen, die in den vergangenen vier Jahren eine professionelle Politik betrieben hätten, während die Linke ihre Zeit mit Moralisieren und kleinlichen internen Machtspielchen verbracht habe, schreibt Csaba Tóth in 168 Óra. Der Chefanalyst des Republikon Institute glaubt, dass es den Akteuren der Linken nicht gelungen sei, das Wahlvolk wirklich anzusprechen. Dafür hätten sie untätig darauf gewartet, dass der Fidesz allmählich von selbst schwächele. Falls sie künftig irgendeine Wahl gewinnen wollten, müssten diese Parteien nach Einschätzung Tóths erneut lernen, wie man Politik betreibe. Mit anderen Worten: Sie müssten den Wählerinnen und Wählern eine inspirierende und mobilisierende politische Vision offerieren, die für die Artikulation einer Mehrheit notwendige Infrastruktur aufbauen und mit dem Wahlvolk in einer beständigen, schlüssigen und programmatischen Art und Weise kommunizieren, empfiehlt der Autor.

In der Wochenendbeilage von Népszabadság (Druckausgabe) zeichnet Zoltán Lackner den Grundriss einer umfassenden Strategie zum Wiederaufbau der Linken. Dabei erinnert er daran, dass, sollte die bisher verfolgte defensive, reaktive und risikoscheue Strategie weitergeführt werden, das linke Lager allmählich von der politischen Bühne verschwinden werde. Und so empfiehlt der Autor, dass ein neuartiges, radikaleres und reformorientiertes Programm verabschiedet werde, welches auf vier klaren politischen Kursänderungen basieren würde: Aufbau einer eigenen Geschichtsinterpretation, Ausarbeitung eines Zukunftsprojekts für die ungarische Gesellschaft, Vorlage eines schlüssigen Fürsorgeprogramms sowie die Entwicklung einer Basisbewegung zur eigenen Unterstützung. Lackner rät der Linken, sie sollte sich initiativ ihre eigenen Sinnbilder erarbeiten, anstatt reaktiv Ideen abzulehnen, die von den regierenden Konservativen vorgebracht würden. Zudem sollte die Linke laut Lackner einen neuen, fortschrittlichen Wortschatz erarbeiten und einführen, eine linke Geschichte, die mit der rivalisierenden und vorherrschenden konservativen konkurrieren könne.

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