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Über BIP-Wachstum und Staatsschulden

25. Aug. 2014

Ein konservativer Kolumnist stellt fest, dass ungeachtet pessimistischer Prognosen das ungarische BIP-Wachstum das höchste in der EU ist. Ein linksorientierter Beobachter kontert mit dem Vorwurf, wonach die Regierung die Verschuldung der öffentlichen Hand nicht habe senken können.

Im zweiten Quartal 2014 konnte die ungarische Wirtschaft im Jahresvergleich um 3,9 Prozent zulegen. Das bedeutet das schnellste Wachstum der vergangenen acht Jahre und das stärkste unter den EU-Mitgliedsländern. Gleichzeitig liegt die Verschuldung des Staates bei 85,1 Prozent des BIP. In ihrer vierteljährlichen Analyse hielt die Ungarische Nationalbank (MNB) fest, dass diese Zunahme Ergebnis eines niedrigen Forint-Außenwertes sowie einer Aufstockung der Reserven sei. Die Nationalbank sagt voraus, dass die Schuldenquote bis zum Jahresende auf unter 80 Prozent sinken werde.

In Heti Válasz bezeichnet es Chefredakteur Gábor Borókai als eigenartig, dass, während das ungarische BIP-Wachstum den EU-Spitzenplatz einnimmt, Wirtschaftsanalysten ein ziemlich pessimistisches Bild von den Wachstumsaussichten des Landes malen. Borókai hält ihnen entgegen, dass lediglich einen Tag vor Veröffentlichung der BIP-Daten das führende ungarische Wirtschaftsblatt Napi.hu einen Bericht des deutschen Instituts ZEW und der österreichischen ERSTE Bank veröffentlicht habe, wonach 82 Prozent der Analysten den Ausblick für die ungarische Wirtschaft mit „fair“ bewerteten, während die übrigen 18 Prozent sie als rundweg „poor“ einstuften. Obgleich sich einflussreiche Analysten hinsichtlich ihrer Bewertung als höchst voreingenommen entpuppt hätten, werde ihre Fachkompetenz selbst nach vollkommen falschen Prognosen nicht infrage gestellt, stellt Borókai abschließend fest.

Die Orbán-Regierung habe den Krieg um die öffentliche Verschuldung verloren, erklärt Miklós Bonta in Népszava. Der Kolumnist aus dem linken Lager geht davon aus, dass das Wachstum der Staatsschulden ein Beleg für das Scheitern der „unorthodoxen“ Strategie von MNB-Chef Matolscy sei. Mit Blick auf die Zukunft sagt Bonta voraus, dass die steigende Staatsverschuldung weitere Einschränkungen und Sparmaßnahmen erahnen lasse.

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