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Bajnai wechselt zu globaler Investmentfirma

6. Sep. 2014

Mit der Ernennung des ehemaligen Ministerpräsidenten Gordon Bajnai zum Chief Operating Officer (Generaldirektor) der in Paris ansässigen Investmentfirma Meridiam stimmen linke wie rechte Kommentatoren darüber ein, dass Bajnai der Politik den Rücken kehrt. Während eine Kolumnistin des rechten Spektrums das als eine Befreiung für Ungarn empfindet, macht ein linker Analyst Ferenc Gurcsány und Attila Mesterházy für Bajnais Scheitern verantwortlich.

Der ehemalige Ministerpräsident Gordon Bajnai hat angekündigt, sich dem Investment- und Vermögensverwaltungs-Unternehmen Meridiam als Chief Operating Officer (COO) anzuschließen. Bajnai ist seit 2011 Vorstandsmitglied bei Meridiam. Bajnai betonte, seine Anstellung in Paris würde keinen Einfluss auf seine politische Arbeit haben und er selbst Vorsitzender seiner Partei Gemeinsam 2014 bleiben, auch wenn diese Titulierung weitgehend als Ehrenamt zu verstehen sei, da er sich nicht aktiv in das Tagesgeschäft der Partei einmische.

Bajnai habe genug davon gehabt, erfolglos zu sein, und entschieden, die politische gegen die Geschäftswelt einzutauschen, in der er sich immer wohler gefühlt habe, kommentiert Matild Torkos in Magyar Nemzet die Entscheidung des Noch-Politikers. Die regierungsfreundliche Kolumnistin hält es für unwahrscheinlich, dass Bajnai Chef von Gemeinsam 2014 bleiben könne, während er zur gleichen Zeit einen Job in Paris ausübe. Bajnai habe seit zwei Jahren den Ausstieg aus der ungarischen Politik geplant, spekuliert die Autorin und fragt sich, ob er beim Treffen der Bilderberg-Gruppe (vgl. BudaPost vom 3. Juni) eventuell eher die Interessen von Meridiam als diejenigen Ungarns vertreten haben könnte. Die Bilderberg-Gruppe ist laut Torkos „bekannt für ihre von Hintergrundmächten gesteuerten geheimen Verschwörungen“. Schlussendlich vermutet Torkos, dass die Entscheidung Bajnais, sich von der Politik zurückzuziehen, das Beste sowohl für ihn als auch für das Land sei.

In Népszava bedauert Péter Somfai, dass Bajnai mit seinen Bemühungen, die Linke zu vereinen, nicht erfolgreich gewesen sei. Für Somfai ist Bajnai ein Idealist gewesen, der letztendlich vor den gleichzeitigen Angriffen seitens der Linken und Rechten kapituliert habe. Es sei traurig, dass der frühere MSZP-Vorsitzende Attila Mesterházy sowie der ehemalige Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány ihr Bestes gegeben hätten, um Bajnai den Boden unter den Füßen wegzuziehen, und sie die Vereinigung der Linken blockiert hätten. Der linke Kolumnist resümiert: „Bajnai wurde von Seinesgleichen besiegt. Er entschied sich für die Rückkehr nach Frankreich, da er sich in der Geschäftswelt, in der faire Regeln existieren, wohler fühlt. Wir werden ihn vermissen.“

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