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Positive Wachstumsindikatoren umstritten

5. Sep. 2014

Die führende linke Tageszeitung wirft der Regierung vor, an wesentlichen Wirtschaftsindikatoren herumzubasteln, um den Eindruck zu erwecken, die Wirtschaft würde eher wachsen als stagnieren. Ein konservativer Analyst bezichtigt die Linke, sie rücke die ungarische Wirtschaft trotz messbaren Wachstums bei wesentlichen Indikatoren in ein schlechtes Licht.

Die ungarische Wirtschaft ist im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,9 Prozent gewachsen. Das ist das schnellste Wachstum in acht Jahren und das höchste unter allen EU-Mitgliedsstaaten (vgl. BudaPost vom 25. August). Nach der Blitzprognose des Ungarischen Statistikamtes hat der Einzelhandelsumsatz im Juli um 2,3 Prozent zugelegt.

In einem Leitartikel auf der Titelseite wirft Népszabadság der Regierung vor, an wesentlichen Indikatoren herumzudoktern (wenn sie nicht sogar direkt zu fälschen), um den Eindruck zu erwecken, ihr in der Wirtschaft eingeschlagene Weg sei ein Erfolg. Die führende linke Tageszeitung vermutet, dass der Anstieg der Einzelhandelsumsätze nicht den tatsächlichen Anstieg der Nachfrage reflektiere. Vielmehr sei er das Resultat der Einführung gesetzlich vorgeschriebener Online-Registrierkassen im Einzelhandelssektor. Da alle in die Online-Kassen eingegeben Umsätze von den Behörden automatisch registriert werden, sei es für Einzelhändler schwieriger, ihren Umsatz geheimzuhalten, hebt Népszabadság hervor. Der Anstieg der gemeldeten Verkäufe reflektiere demzufolge keine gestiegene Kaufkraft. Folglich seien die danach kalkulierten BIP-Wachstumsdaten ebenfalls verfälscht. Die Tageszeitung behauptet, dass die ungarische Wirtschaft ungeachtet des – laut offiziellen Statistiken – 3,9-Prozent-Wachstums stagniere.

Auch wenn alle wesentlichen Indikatoren auf einen wirtschaftlichen Boom hinwiesen, versuche die Linke verzweifelt, Ungarns Aussichten schwarzzumalen oder das Wachstum allein auf EU-Fördergelder zurückzuführen, schreibt Gergely Kiss in Magyar Nemzet. Der regierungsfreundliche Analyst gibt zu, dass EU-Fonds tatsächlich „der ungarischen Wirtschaft helfen“, merkt aber auch an, dass sowohl die Landwirtschaft, als auch die Industrieproduktion und der Bausektor einen Anstieg zu verzeichnen hätten. Kiss glaubt, dass der Einzelhandelsumsatz aufgrund höherer Ausgaben seitens der Privathaushalte gestiegen sei. Schnelleres BIP-Wachstum sei laut Kiss nicht das Resultat höherer Regierungsausgaben, da sich das Defizit unter der Drei-Prozent-Schwelle befinde. Ungarn müsse seine Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern und sein Bestes geben, um die Einflüsse der Ukraine-Krise zu minimieren, aber die Schlüsselindikatoren würden zeigen, dass sich die ungarische Wirtschaft auf einem guten Weg befinde, so das Fazit des Autors.

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