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Haus der Schicksale bringt „Liebesgeschichte“ zum Ausdruck

4. Oct. 2014

Die für das „Haus der Schicksale“ verantwortliche Historikern Mária Schmidt verteidigt das Konzept des geplanten Holocaust-Gedenkmuseums gegen Kritik aus dem linken Spektrum und tadelt gleichzeitig den für das Amt des Ministerpräsidenten zuständigen Minister, weil dieser einen der Hauptgegner des Projekts zu seinem Berater gemacht hatte.

In einem ausführlichen Beitrag in Héti Válasz charakterisiert Mária Schmidt ihr Projekt „Haus der Schicksale“ als europa- und vielleicht sogar weltweit größte Institution der Holocaust-Erinnerung, die darauf abziele, der jungen Generation den Horror des Holocaust zu vermitteln. Dies gehe einher mit der Erfolgs- und sogar der „Liebesgeschichte” des ungarischen Judentums als integraler Bestandteil der ungarischen Gesellschaft vor und nach dem Holocaust. Gegner des Projekts, darunter der mehrere tausend Personen umfassende Nationalrat der jüdischen Gemeinden Ungarns (Mazsihisz), seien von linksliberalen Ressentiments gegenüber der regierenden politischen Mehrheit und ihrer eigenen Frustration über den Zusammenbruch der Linken motiviert. Für Schmidt ist es tragisch, dass der Vorsitzende von Mazsihisz, der im Herbst seine Wiederwahl anstrebt, bereit sei, den Preis für die Stimmenmehrheit innerhalb seiner Organisation zu zahlen und in diesem Sinne einem Projekt von so entscheidender Bedeutung zu schaden. Die Historikerin beschreibt zudem detailliert, wie ausländische Diplomaten – darunter der Chargé d’affaires der US-Botschaft – Druck auf sie ausgeübt und angeregt hätten, wie die Ausstellung aussehen sollte und wer besser nicht als Mitarbeiter einzustellen sei. Es sei sogar vorgeschlagen worden, dass das Regellehrbuch zur ungarischen Geschichte von ausländischen Wissenschaftlern geschrieben werden sollte. Obgleich es sich bei Mazsihisz um eine religiöse Gemeinschaft handele, fährt Schmidt fort, habe der für das Amt des Ministerpräsidenten zuständige Minister János Lázár ihr ein Veto-Recht bei das Projekt Haus der Schicksale betreffenden Angelegenheiten eingeräumt – eine Entscheidung „ohne Beispiel in der ungarischen Geschichte seit der Trennung von Kirche und Staat gegen Ende des 19. Jahrhunderts“. Und um all dem die Krone aufzusetzen, beschwert sich Schmidt, habe der Minister Gusztáv Zoltai als seinen Berater für die Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft eingestellt. Die Autorin bezeichnet Zoltai als ehemaliges Mitglied der Kommunistischen Partei und kommunistischen Milizionär während des Volksaufstandes 1956, der unlängst seinen Posten als Geschäftsführer von Mazsihisz habe räumen müssen. In dieser Funktion sei er bislang einer der vehementesten Kritiker der staatlichen Holocaust-Erinnerungsprojekte gewesen. Das, was auf dem Spiel stehe, sei Identität, betont Mária Schmidt. Und wenn der Politik die Werte abhanden kämen, „wird der Countdown sofort starten“.

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