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Willkommen, Herr Putin!?

18. Feb. 2015

Ein regierungsfreundlicher Kolumnist begrüßt die Ungarn-Visite von Wladimir Putin und lobt in diesem Zusammenhang den Gast aus Moskau für dessen „Wiederherstellung der Größe Russlands“. Die führende linksorientierte Tageszeitung dagegen hält es für geboten, dass sich vor dem Hintergrund der geopolitischen Situation Ungarn nicht an einer Stärkung seiner Beziehungen zu Russland versuchen sollte.

Zsolt Bayer von der Tageszeitung Magyar Hírlap rühmt Präsident Putin dafür, die Stärke Russlands wiederhergestellt zu haben. Der regierungsfreundliche Kolumnist räumt ein, dass er Russland gegenüber nach wie vor Gefühle der Furcht entgegenbringe. Als Gründe dafür nennt Bayer die quälende Erinnerung an die Ungarische Räterepublik des Jahres 1919 sowie die Entscheidung Moskaus, mit Hilfe von Panzern den ungarischen Volksaufstand von 1956 zu unterdrücken. Dennoch ist der Autor überzeugt, dass ohne die Entschlossenheit von Wladimir Putin Russland mittlerweile an die USA ausverkauft worden wäre und seine traditionelle Kultur aufgegeben hätte, um sich gemäß dem Vorbild westlicher Konsumgesellschaften zu entwickeln. Mit Blick auf die ungarischen Putin-Kritiker notiert Bayer, dass die gleichen Leute, die gegenwärtig unkritisch den Westmächten folgen würden, in der Vergangenheit die lautstärksten Unterstützer der Sowjetunion gewesen seien.

In den Augen von Népszabadság ist dieser Besuch für Putin wichtiger als für Orbán. In ihrem Leitartikel auf der Titelseite äußert die führende linke Tageszeitung die Vermutung, dass angesichts jüngster Bemühungen der Orbán-Regierung, sich von Moskau zu distanzieren, Präsident Putin das ungarische Image als ein Verbündeter Russlands bekräftigen wolle. In normalen Zeiten würde Ungarn aus pragmatischen Gründen gute Beziehungen zu Russland unterhalten müssen. Doch mit Blick auf die russische Verstrickung in die Ukraine-Krise sollte die ungarische Regierung klare Kante zeigen, anstatt sich an einem Balanceakt zwischen Moskau und dessen Kritikern zu versuchen, empfiehlt Népszabadság.

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