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Herausforderung Jobbik

23. Mar. 2015

Die führende Tageszeitung des linken Spektrums erklärt den Aufstieg von Jobbik mit dem Versagen der Linken. Eine konservative Kommentatorin meint, dass Meinungsumfragen drei Jahre vor den nächsten Wahlen nicht zu viel Gewicht beigemessen werden sollte, da sich Wähler mit Herannahen eines realen Urnenganges eher gemäßigter geben und Richtung Mitte orientieren würden.

Jobbiks Zuwachs sei ein heftiger Schlag für die Linke, kommentiert Népszabadság jüngste Umfragen, die den Aufstieg der rechtsextremistischen Partei aufzeigen (vgl. BudaPost vom 19. März). Während in den meisten europäischen Staaten radikale Linksparteien von der zunehmenden, durch Korruption und antikapitalistische Haltungen bedingten Unzufriedenheit profitierten, sei in Ungarn die Linke damit gescheitert, trotz des massiven Unmuts über die Regierung ihre Basis zu vergrößern. Népszabadság vermutet, dass sich unzufriedene Wähler in Ungarn lieber auf die Seite einer rechtsradikalen Partei schlagen, die Arme und Schwache ins Visier nimmt, anstatt sich linken Parteien zuzuwenden, denen das links-liberale Blatt vorwirft, nicht gegen die Ungleichheit zu protestieren.

Alexandra Knopf von Magyar Hírlap warnt davor, aufgrund einer einzigen Umfrage vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Die konservative Kolumnistin gibt zu, dass Meinungsumfragen bei Fidesz-Wählern zunehmend Bedenken und Unzufriedenheit auswiesen, was jedoch nach einem Wahljahr nicht unüblich sei. Ohne unmittelbar bevorstehenden Urnengang seien Wähler eher geneigt, ihren Unmut zu artikulieren und radikale Randgruppen zu unterstützen. Dies bedeute nicht, dass sie auch tatsächlich für derartige Parteien stimmen würden, meint die Autorin. Eine gegen das Establishment gerichtete Rhetorik sei nach Wahlen populärer als in ihrem Ablauf, da beim Gang in die Wahlkabinen selbst extrem kritische Wähler dazu neigten, sich zu mäßigen und in die Mitte zu bewegen. Ungeachtet ihres in jüngster Zeit gemäßigten Erscheinungsbildes sei Jobbik nach wie vor eine radikale Partei mit antisemitischen Untertönen. Dieses Image werde ihre Chancen auf eine Entwicklung zur Durchschnitts-Massenpartei einschränken, sagt Knopf voraus.

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