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Flüchtlingsquoten sorgen weiter für Zündstoff

20. May. 2015

Vor der Rede von Ministerpräsident Orbán im Rahmen der Europaparlamentsdebatte zur Flüchtlingsproblematik vergleicht ein Kolumnist des linken Spektrums die Flüchtlingssituation in Europa mit 1938 und fordert eine verstärkte Aufnahme von Migranten. Ein konservativer Kolumnist wiederum glaubt, dass es die Krise nicht lösen werde, mehr Flüchtlinge nach Europa zu lassen.

In Népszabadság zieht Endre Aczél eine Parallele zwischen der gegenwärtigen Situation von Flüchtlingen in Europa und der Notlage verfolgter Juden der Zwischenkriegszeit. Auch wenn sich der Völkerbund seinerzeit „besorgt“ über die Entwicklungen geäußert habe, hätten demokratische Länder wenig getan, um verfolgten deutschen und österreichischen Juden Schutz zu gewähren, erinnert der links ausgerichtete Analyst. Aczél hält den Vorschlag der ungarischen Regierung, die Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge zu verbessern, für wohlfeil, sieht der Autor doch nur geringe Chancen, dass Afghanistan, Syrien oder Libyen bald stabilisiert werden könnten. Der einzige mögliche und humane Weg, Flüchtlingen zu helfen, sei, die Bestimmungen des von der EU vorgeschlagenen Quotensystems (vgl. BudaPost vom 14. Mai) zu erfüllen, fasst Aczél seine Überlegungen zusammen.

„Das Quotensystem ist schlichtweg dumm“, hält Miklós Ugró in Magyar Nemzet fest. Selbst wenn es eingeführt würde, wären die vorgeschlagenen Quoten schnell ausgeschöpft, glaubt der konservative Kommentator. Er fragt sich, ob die EU auf Schiffe voll mit Flüchtlingen schießen würde, um den Zustrom von Asylsuchenden über die Quote hinaus zu stoppen. Für Ugró verfügt Europa über keine bessere Option, als den Herkunftsländern zu helfen, damit von dort keine Menschen fliehen – wie es unter anderem auch Ministerpräsident Orbán vorgeschlagen habe. In einer bissigen Nebenbemerkung behauptet der Autor, Anarchie und Chaos – die treibenden Kräfte der Migration – seien in vielen Fällen Resultat der westlichen Einmischung in Entwicklungsländer.

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