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Holocaust-Vergleiche in der Migrationsdebatte

29. Sep. 2015

Ein linksorientierter Journalist protestiert gegen Verweise auf den Holocaust im Streit um die aktuelle Flüchtlingswelle. Derartige Äußerungen liefen letztendlich auf eine Verharmlosung des Holocaust hinaus.

In der Tageszeitung Népszabadság äußert sich Sándor Révész empört über eine ganze Reihe von Äußerungen, in denen der Holocaust in der aktuellen Migrationsdebatte zur Diffamierung von Gegnern herhalten musste. (Beispielsweise hatte das serbische Außenministerium das von Kroatien für Bürger Serbiens verhängte Einreiseverbot mit Praktiken des „faschistischen kroatischen Staates“ zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges verglichen. Zagreb hatte Serben die Einreise nach Kroatien als Vergeltung dafür untersagt, dass Massen von Migranten über die Grenze „geschleudert“ würden. Der serbische Regierungschef verglich den ungarischen Grenzzaun mit den Zäunen von Vernichtungslagern. Der österreichische Bundeskanzler teilte mit, der Umstand, dass die Ungarische Staatsbahn einen Zug voller Flüchtlinge in ein Aufnahmelager, anstatt – wie von den Flüchtlingen erwartet – an die österreichische Grenze fahren ließ, erinnere ihn an die dunkelsten Zeiten des Zweiten Weltkrieges. [In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass wenige Wochen später Flüchtlinge auf einem Wiener Bahnhof einen Zug in der Überzeugung bestiegen, er würde sie nach Deutschland fahren. Dabei ging es in Wirklichkeit lediglich in ein Aufnahmezentrum bei Graz.] Schließlich bezieht sich Révész auf den altgedienten österreichischen Journalisten ungarischer Herkunft Paul Lendvai, der geschrieben hatte, dass der Marsch der Migranten in Richtung Grenze zu Österreich ihn an seine eigene Jugend erinnert habe, als er gemeinsam mit Zehntausenden ungarischen Juden zu Fuß gen Westen getrieben worden sei, was später als Serie von „Todesmärschen“ des Winters 1944 in die Geschichte eingehen sollte – Anm. d. Red.)

Révész vertritt nun die Ansicht, dass derartige Vergleiche kontraproduktiv wirken würden, denn sie diskreditierten eine Kritik, die ansonsten gerechtfertigt wäre. Doch das Hauptargument ist für Révész die Tatsache, dass solche Diskussionsbeiträge den Holocaust zur Bagatelle machten.

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