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Ungarns erster Tag hinter dem Zaun

17. Sep. 2015

Hunderte von Flüchtlingen konzentrieren sich auf der serbischen Seite des von Ungarn errichteten Grenzzauns, während Hunderte in Richtung Kroatien aufbrachen. Kommentatoren diskutieren nun die Auswirkungen der unnachgiebigen Haltung Budapests in der Einwanderungsfrage.

In Népszava widerspricht Péter Német denjenigen 80 Prozent der Ungarn, die – glaubt man jüngsten Umfragen – ein rigoroses Vorgehen in der Flüchtlingskrise fordern. Ungarn sollte nicht glauben, es sei intelligenter, einfallsreicher oder entschiedener als andere. Die Anwesenheit bewaffneter Polizei- und Armeeeinheiten auf beiden Seiten der Grenze könnte im Blutvergießen münden, falls eine Gruppe Flüchtlinge ihre Geduld verlieren sollte, fürchtet Német.

Als eine Schande, „die noch unsere Enkelkinder empfinden werden“, beschreibt Népszabadság die jüngsten Vorkommnisse. Im Leitartikel auf der Titelseite wirft sie der Regierung sowohl unmenschliches Verhalten als auch Zynismus internationalem Recht gegenüber und Kurzsichtigkeit vor.

Auch Miklós Ugró von Magyar Nemzet befürchtet eine Explosion, sollte eine größere Migrantengruppe versuchen, Ungarns geschlossene Grenzen zu überqueren. Verbittert bemerkt der Journalist in seinem Leitartikel, dass empörte Migranten von Westlern unterstützt würden, die die Ungarn regelmäßig verleumdeten, um ihre frustrierende Impotenz zu überspielen. Zumindest, bevor sie letztendlich damit begonnen hätten, die ungarischen Maßnahmen zu kopieren, fügt Ugró sarkastisch hinzu.

Der Historiker László Petrin erinnert in Magyar Idők daran, dass Ungarn den Westen und die westliche Christenheit erneut – wie in den Jahrhunderten osmanischer Expansion – schütze. Der säkularisierte Westen wird jedoch in den Augen Petrins von linken Liberalen angeführt. Folglich kümmere er sich nicht um den Schutz der Christenheit. Indem er nicht nur echte Flüchtlinge, sondern auch illegale Migranten aufnehme, riskiere der Westen eine schrittweise Islamisierung, fürchtet Petrin.

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