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Ratingagenturen: Verbesserter Ausblick für Ungarn

14. Nov. 2015

Zwei der vier weltweit wichtigsten Agenturen zur Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Landes haben den Ausblick für Ungarn auf „positiv“ hochgestuft. Vor diesem Hintergrund erörtern die Kommentatoren die Aussichten einer Erhöhung des Ratings selbst auf „Investment Grade“.

Vergangene Woche hatten sowohl Fitch als auch Moody’s den Ausblick für Ungarns Kredit-Rating von bislang „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Die Kreditwürdigkeit des Landes selbst liegt weiterhin eine Stufe unter dem erwünschten Niveau „Investment Grade“. Moody’s erhöhte zudem die Ratings von sechs ungarischen Banken.

Die Verbesserung des ungarischen Kredit-Ausblicks sei eine Bestätigung für die Erfolge der Regierung mit Blick auf die Stabilisierung der Wirtschaft und eine ausgeglichene Gestaltung des Staatshaushaltes, notiert Csaba Szajlai in Magyar Hírlap. Der konservative Kolumnist vermutet, dass das ungarische Kreditrating demnächst auf „Investment Grade“ hochgestuft werde, da sowohl der ungarische Haushalt als auch die Wirtschaft immer weniger angreifbar würden. Szajlai unterstreicht, dass die Erfolge der ungarischen Regierung bei der ausgeglichenen Gestaltung des Haushalts und der Senkung der Schuldenlast bei gleichzeitiger Bewahrung des rasanten Wirtschaftswachstums von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) sowie der OECD bereits anerkannt worden seien. Doch sei die von den Ratingagenturen verkündete positive Botschaft auch für Investoren sehr bedeutsam. Folglich würden die verbesserten Ausblicke die ungarischen Anstrengungen bei der Refinanzierung der Staatsschulden und beim Verkauf von Staatsanleihen zu günstigeren Zinsen unterstützen, was wiederum der Haushaltsstabilität zugute kommen werde, notiert Szajlai.

In Népszava äußert Miklós Bonta die Erwartung, dass die Verbesserungen des Ausblicks den Kapitalabfluss aus Ungarn verlangsamen könnten. Allerdings geht der linke Kolumnist davon aus, dass die Verbesserungen keine großen Auswirkungen haben dürften, da die Kreditwürdigkeit des Landes von sämtlichen großen Ratingagenturen nach wie vor mit einer Stufe unter der Kategorie „Investment“ bewertet werde. Im Übrigen ist Bonta nicht sicher, ob die offiziellen Statistiken zur ungarischen Staatsverschuldung die Realitäten tatsächlich korrekt widerspiegelten, da sowohl die Nationalbank als auch große staatliche Unternehmen Staatsanleihen angekauft hätten, um die Höhe der öffentlichen Auslandsschulden zu senken. Ungeachtet des verbesserten Ausblicks der ungarischen Kreditwürdigkeit könnte deren eigentliche Hochstufung auf „Investment Grade“ noch eine geraume Zeit auf sich warten lassen, dämpft Bonta übertriebenen Optimismus.

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