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Deutschland gilt als Befehlsgeber ostmitteleuropäischer Politik

19. Jan. 2016

Ein regierungsfreundlicher Analyst mahnt: Jene, denen die Aussichten auf Vereinigte Staaten von Europa Angst einflößen würden, sollten wissen, dass sie längst schon existierten. Die Regierung sitze in Berlin und werde von Angela Merkel geleitet.

Deutschland habe sich vom Wirtschaftsmotor in das politische Kraftzentrum unseres Kontinents verwandelt und entscheide beispielsweise über das Schicksal Griechenlands ebenso wie über die Frage, ob Brüssel ein widerspenstiges Polen bestrafen sollte, urteilt Zoltán Kottász in Magyar Idők. In der vergangenen Woche hatte Kottász in derselben Zeitung bereits vor dem Bemühen „um Errichtung eines europäischen Superstaates“ gewarnt (vgl. BudaPost vom 16. Januar). Nun schießt er sich besonders auf die deutsche Kanzlerin ein und wirft ihr vor, auf ihrer fehlgeleiteten Migrationspolitik zu beharren. „Merkel kann über Fragen von Leben und Tod entscheiden. Und das ist Europas große Tragödie“, behauptet der Autor.

Der vermeintliche Einfluss Berlins auf die Region ist Thema eines Artikel von Zsolt Bayer in Magyar Hírlap, der anderen regierungsfreundlichen, konservativen Tageszeitung mit ungarnweiter Verbreitung. Der landläufig bekannte Autor aus dem rechten Spektrum hat einen – dem Anschein nach – ersten Teil einer Artikelreihe über Polen veröffentlicht. Darin geht es vor allem um die Geschichte der Kämpfe Polens gegen Deutschland (und Russland). In seinem Beitrag erinnert Bayer an die Schlacht von Tannenberg 1410, in der eine polnisch-litauische Armee – vermutlich unterstützt von Verbänden anderer osteuropäischer Nationen, darunter Ungarn – die Armee des Deutschen Ordens vernichten schlug. Bayer vermutet, dass Zukunft und Schicksal Polens einmal mehr im Rampenlicht der großen Diplomatie stünden, da sich die „Kernländer“ Westeuropas zunehmend vor dem möglichen Aufstieg eines unabhängigen und starken Bündnisses ostmitteleuropäischer Staaten fürchten würden.

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