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Subventionsprogramm gestartet

6. Jan. 2016

Zwei konservative Wirtschaftswissenschaftler begrüßen das Vorhaben der Regierung, die ungünstigen demografischen Entwicklungen durch ein großzügiges Fördersystem zur Finanzierung von Wohneigentum umzukehren. Ein linksorientierter Analyst geht hingegen davon aus, dass die staatlichen Subventionen lediglich Familien der Mittelklasse erreichen und damit die Ungleichheit zementieren werden.

Die Regierung hat die Einzelheiten des neuen Subventionsprogramms (vgl. BudaPost vom 23. Dezember) ausgearbeitet. Es soll den Bau von Häusern und Wohnungen ankurbeln und ungarischen Familien bei der Finanzierung von Wohneigentum unter die Arme greifen. Antragsteller sollten mindestens zwei Jahre beschäftigt sein. Darüber hinaus müssen die ko-finanzierten Wohnungen für Familien, die drei Kinder aufziehen wollen, über eine Mindestgröße von 60 Quadratmetern verfügen.

In Magyar Idők verweisen die Ökonomen András Giday und Szilvia Gedő darauf, dass laut verschiedenen Statistiken ungarische Ehepaare mehr Kinder zeugen wollen, als sie sich eigentlich leisten können. Ungeachtet der Bereitschaft der Ungarn, mehr Kinder in die Welt zu setzen, liege die Geburtenrate aktuell bei 1,3 Kindern, womit sie zu den europaweit niedrigsten gehöre. Giday und Gedő sehen im Fehlen von angemessenem Wohnraum das Haupthindernis für junge Familien. Junge Paare ohne privaten Wohnraum könnten sich kaum genug Kapital für den Erwerb einer Eigentumswohnung beschaffen, diagnostizieren die beiden Wirtschaftswissenschaftler. Neben seinem ökonomischen und sozialen Nutzen werde das System auch mit dafür sorgen, dass aus Ungarn ganz allgemein ein familienfreundlicherer Ort werde, hoffen Giday und Gedő.

Das Subventionsprogramm im Bereich Wohneigentum sei selektiv und bevorzuge aufstrebende Mittelschichten, moniert Zoltán Lakner in Népszabadság. Der linksorientierte Analyst hält es für höchst problematisch, dass die Regierung den Erhalt der Fördergelder von einer Beschäftigung abhängig mache, da diese Voraussetzung genau diejenigen armen Familien ausschließe, die am nötigsten auf Hilfe beim Wohnungserwerb angewiesen wären. Laut Lakner genüge die finanzielle Beihilfe nicht, um die Kosten einer angemessenen Bleibe in den meisten ungarischen Städten abzudecken. Um also geeignet zu sein, müssten Familien über zusätzliche Ersparnisse verfügen. Damit, so kritisiert Lakner abschließend, räume die Regierung bereits privilegierten Schichten der Mittelklasse Vergünstigungen ein, was die Ungleichheit weiter zementieren werde.

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