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Tag der Arbeit: Wenig Zulauf bei den Sozialisten

3. May. 2016

Während sich die regierungsnahe Magyar Idők hämisch zeigt, sorgt das, was sich auf der Veranstaltung der Sozialisten zum Tag der Arbeit offenbarte, bei Népszava für Stirnrunzeln.

Während der MSZP-Veranstaltung zum Tag der Arbeit im Stadtwäldchen habe sich rund um die Bühne der einst großen linken Partei quasi eine Art Niemandsland ausgebreitet, heißt es im Leitartikel von Magyar Idők. Die Zahl der Anhänger, die die Mai-Kundgebung der MSZP besuchten, verringere sich von Jahr zu Jahr, doch diesmal habe die Teilnahme ein Allzeit-Tief erreicht, bemerkt Autor Dávid Megyeri. (Auch nach der politischen Wende waren die Kundgebungen zum Tag der Arbeit in Ungarn generell ein Großereignis der Linken geblieben. Noch vor wenigen Jahren hatten sie Massen angelockt. Das galt vor allem für die im Stadtwäldchen abgehaltene „Mutter“ aller Mai-Volksfeste. Auch Menschen, die mit nostalgischer Verklärung auf János Kádár und dessen über drei Jahrzehnte andauernde Ära als Generalsekretär der kommunistischen MSZMP zurückblicken, treten an diesem Tag sichtbar in Budapests beliebtestem öffentlichen Park in Erscheinung – Anm. d. Red.) Laut Megyeri haben es die beiden sozialistischen Redner – MSZP-Parteichef József Tóbiás und die Budapester MSZP-Vorsitzende Ágnes Kunhalmi – nicht vermocht, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Zahlreiche der Teilnehmer, vermutet der Autor, seien nicht einmal Sympathisanten gewesen. Vielmehr habe es sich um Familien gehandelt, die den warmen Frühlingstag abseits der Parteibühne genossen hätten. Die Menschen dürften spüren – glaubt zumindest Megyeri –, dass diejenigen, die der Regierung Milliardenbetrügereien vorwerfen würden, jede Glaubwürdigkeit eingebüßt hätten, denn Korruption sei doch während ihrer eigenen Regierungszeit alltäglich gewesen.

Auch Népszava zeigt sich nicht begeistert von der Sonntagskundgebung im Stadtwäldchen. Chefredakteur Péter Németh pickt in seinem Beitrag einen Satz aus József Tóbiás’ Rede heraus, wonach die Partei „eine Allianz mit der Gesellschaft eingehen“ müsse. In den Augen Némeths ist jedoch keineswegs klar, was diese Allianz bedeuten und wen sie umfassen sollte. Wie nur könnten diese Leute gegen den Fidesz aufgebracht werden, wenn gar nicht so viele bereit seien, die trügerische Rhetorik der Regierung zu durchschauen, und sie die anhaltende Veruntreuung öffentlicher Geldern auch gar nicht erkennen könnten. Diese Situation sei nicht zuletzt ein direktes Ergebnis der Tatsache, dass die MSZP es zugelassen habe, „90 Prozent der Medien“ in Fidesz-Kontrolle abgleiten zu lassen. (Vermutlich zählt Németh auch regierungskritische, früher jedoch dem Kabinett nahestehende Medien wie HírTV, Magyar Nemzet und Heti Válasz zu dieser Kategorie – Anm. d. Red.)

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