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Fußball-EM 2016 – und Ungarn ist dabei!

13. Jun. 2016

Die ungarischen Kommentatoren hat das Fußballfieber gepackt, zumal Ungarn erstmalig seit 1972 wieder eine Europameisterschaftsendrunde erreichen konnte. Übrigens wurden damals, vor 44 Jahren in Belgien, die Magyaren erst im Halbfinale durch eine 0:1-Niederlage gegen die UdSSR gebremst. Auch das Spiel um Platz drei gegen das Team der belgischen Gastgeber ging mit 1:2 verloren.

Wenn auch nicht umsonst zu haben, so scheinen sich die Reformen im ungarischen Fußball tatsächlich auszuzahlen, schreibt Gábor Borókai in seiner wöchentlichen Kolumne für Heti Válasz. Nachdem sich Ungarn zum ersten Mal seit 44 Jahren für eine EM-Endrunde habe qualifizieren können, seien die Ungarn nunmehr von europäischen Bürgern zweiter vollständig zu ebensolchen erster Klasse aufgestiegen, meint der Chefredakteur der Wochenzeitung. Der ungarische Fußball hinke nach wie vor hinterher, sei dem europäischen Mittelfeld aber auf den Fersen. Dessen ungeachtet jedoch lautet für Borókai bedauerlicherweise die wichtigste Frage, ob Frankreich und die anreisenden Fans während der Europameisterschaft weiteren Terroranschlägen werden entgehen können.

Die jüngsten Schätzungen gingen von über 30.000 ungarischen Fans aus, die zur Europameisterschaft nach Frankreich reisen würden, informiert Zsigmond Deák in seinem Leitartikel für die Samstagsausgabe von Magyar Idők. Sowohl Fans als auch Sportreporter müssten sich noch an die Tatsache gewöhnen, dass es Ungarn zurück in die erste internationale Fußballliga geschafft habe, meint der Autor der regierungsfreundlichen Zeitung. Zudem hebt er hervor, dass die populärste Sportart der Welt Ungarn dabei geholfen habe, auch in einem politischen Sinn „nach Europa zurückzukehren“ – so wie es die politische Wende 1989 oder der EU-Beitritt 2004 vollbracht hätten.

Europa quelle über vor Spielern, die als Wirtschaftsmigranten bezeichnet werden könnten, konstatiert Ervin Tamás in Népszabadság. Keine Nationalelf könne mit Champions League-Teams mithalten, die über zu viel Geld zum Verbraten und für den Einkauf von Spielern verfügten. Trotzdem seien internationale Meisterschaften nicht weniger bedeutungsvoll, meint der Autor. Diese Wettbewerbe würden sich jedoch unterscheiden, wenn auch der Ort des Geschehens der selbe sei: nationaler Stolz, historische Traumata, alte Wunden und denkwürdige Triumphe gehörten dazu und die Fans würden sich mit diesen Spielen in ganz unterschiedlicher Art und Weise identifizieren. In Anbetracht dessen, dass jetzt immer mehr eingebürgerte Spieler mit Migrationshintergrund in europäischen Nationalmannschaften anzutreffen seien, werde deutlich, inwiefern durch Vorurteile und Rassismus hervorgerufene Konflikte eine Täuschung seien, meint Tamás abschließend.

Während der „Herrschaftsbereich der Lüge“ im Fußball signifikant größer geworden sei, vor allem im Zusammenhang mit Doping und dem Finanzgebaren, befördere das Spiel auch immer stärker positive Werte wie Solidarität und Anti-Rassismus, stellt László Darvasi in HVG heraus. So ist es für den Autor der linksliberalen Wochenzeitung auch überhaupt kein Zufall, dass religiöse Fanatiker gerade Fußballfans ins Visier nehmen würden.

In seiner wöchentlichen Kolumne in Magyar Nemzet wettert Róbert Puzsér, dass das geliebte Spiel aufgrund der Unmoral kleinerer und größerer vom Fußball lebender Investoren krepiere. Fans begeisterten sich immer weniger für einen Vereinsfußball, der von Migranten und Söldnern durchsetzt sei und dessen Mannschaften in der Konsequenz ihre Identität verlören. Die Europameisterschaft sei jedoch anders, bewahre sie doch ein Stück der Sakralität, die Fußball zum populärsten Sport des Planeten gemacht habe. Hier seien die Spiele nicht einfach nur Teil des Showgeschäfts, sondern Kriege ohne Blutvergießen, bei denen die Spieler die begabtesten und hingebungsvollsten Krieger ihrer Stämme seien.

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