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Ungarische Fußballer kehren als Helden heim

29. Jun. 2016

Experten versuchen zu erklären, warum die Ungarn trotz der deftigen 0:4-Klatsche ihres EM-Fußballteams gegen Belgien vom Sonntag dennoch jubilieren.

Es wäre ziemlich schwierig einem Ausländer zu erklären, was zur Zeit in Ungarn abgehe, heißt es im Leitartikel auf der Titelseite von Népszabadság mit Blick auf den enthusiastischen Empfang der Nationalelf bei ihrer Heimkehr von der EM in Frankreich.
(Die ungarische Fußballnationalmannschaft war am Sonntag im Achtelfinale der UEFA EURO 2016 mit einem krachenden 0:4 gegen Belgien ausgeschieden. Damit endete eine überraschende Erfolgsserie der Magyaren, die immerhin als Gruppenerste die K.o.-Runde erreichen und damit die kühnsten Erwartungen von Anhängern und Experten übertreffen konnten. Zur Erinnerung: Ungarn hatte sich erstmals seit 1972 wieder für eine EM-Endrunde qualifiziert. Der Erfolg der Mannschaft löste daheim eine große Welle der Begeisterung aus. So feierten nach dem Abpfiff der ungarischen Spiele viele Fans auf Straßen und Plätzen überall im Lande bis in die tiefe Nacht hinein [vgl. BudaPost vom 16. Juni]. Am Montagnachmittag begrüßte eine jubelnde Menge auf dem Budapester Heldenplatz ihre „Helden“ – Anm. d. Red.)
„Weswegen also strahlt und lacht jeder?”, fragen die Leitartikler von Népszabadság. Hinter den lächelnden Gesichtern würden sich so viele Enttäuschungen verbergen. Der ungarische Fußball – ein Spiel, das uns das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu vermitteln half – habe uns nunmehr vom von ihm lange zugefügten Schmerz befreit, diagnostiziert das linksorientierte Blatt.

Diese Niederlage sei genau genommen unser größter Sieg gewesen, schreibt János Makk auf Mandiner. Denn nunmehr gebe es einen Beweis für die Existenz von Optimismus, Durchhaltevermögen und Mut in den Herzen der Ungarn. In welcher anderen Hauptstadt sonst würden die Fans eine zerschmetterte Nationalmannschaft bis zum Morgengrauen feiern? „Das ist Ungarn, das sind die ungarischen Fans, das ist der ungarische Traum, aus dem niemand wieder erwachen sollte“, beantwortet jubelnd Makk seine Frage selbst.

Im Fußball sei nicht das wirklich wichtig, was sich auf dem grünen Rasen abspiele, sondern das, was drum herum geschehe, behauptet László Pajor-Gyulai im Leitartikel von Magyar Nemzet. Was das Land angesichts so großer Trostlosigkeit in der nationalen Meisterschaft überwältigt habe, sei das wiederentdeckte Gemeinschaftsgefühl, ein Spiel zu besuchen. Nunmehr laute die Frage, wie viel von diesem Wunder auf den ungarischen Alltagsfußball herabtröpfeln und uns in dem Glauben bestärken würde, dass diese zwei Wochen mehr als nur ein flüchtiger Traum gewesen seien.

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