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Trumps Wahlsieg – eine Lehrstunde für die Linke

25. Nov. 2016

Eine Analystin richtet eine Warnung an die Linke: Sie werde ihren Niedergang so lange nicht stoppen können, wie sie Identitätspolitik ins Zentrum ihres Ethos stelle. Donald Trump sei von der amerikanischen Mittelklasse unterstützt worden, weil er ihr den dringend benötigten Schutz angeboten habe. Dabei sollte dieser Schutz doch eigentlich das Anliegen der Linken sein.

In einer umfangreichen Analyse für Magyar Nemzet befasst sich Eszter Petronella Soós mit den Lehren, die die ungarische Linke aus den Präsidentschaftswahlen in den USA ziehen sollte. (An und für sich ist die Autorin vor allem aufgrund ihrer Untersuchungen der französischen Politik bekannt.) Mit der Situation in den USA im Hinterkopf schreibt Soós, dass sich auch die europäische Mittelklasse in ihrer Sicherheit und ihrem Wohlstand gefährdet fühle. Unter diesen Umständen führten die verstärkten Bemühungen der Linken um einen Schutz von Minderheiten gepaart mit der Vernachlässigung der Arbeiterklasse zwangsläufig zu ihrer Marginalisierung.
Die ungarische Linke ziehe sich in die Mauern großer Städte zurück und gebe zu verstehen, dass ihr vor allem Ausländer, die Europäische Union sowie Amerika am Herzen lägen. Dabei sollte die Linke nicht sämtliche Probleme der Außenwelt zu lösen versuchen, empfiehlt Soós. Vielmehr sollte sie sich um einen Abbau der Ungleichheiten sowie um eine erneute Tuchfühlung mit der Mittelklasse bemühen, anstatt sie über abstrakte Ideen zu belehren und sie im Falle mangelnden Entgegenkommens als Rassisten zu beschimpfen. Falls die Linke das 21. Jahrhundert überleben wolle, müsse sie in ihren Wertvorstellungen fortschrittlich, aber in ihrer Haltung konservativ und pragmatisch sein, empfiehlt Soós abschließend.

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