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Linke Kult-Moderatorin wechselt zu HírTV

27. Dec. 2016

Olga Kálmán, Gastgeberin der Talksendung „Egyenes Beszéd” (Klartext), wechselt von ATV zum ehemals Fidesz-nahen Sender HírTV. Vor diesem Hintergrund äußern Kommentatoren die Vermutung, dass der Eigner des Kanals, Lajos Simicska, im Rahmen seiner gegen Orbán gerichteten Kampagne ATV links überholen wolle.

Szilveszter Szarvas zitiert namentlich nicht genannte Quellen, denen zufolge Simicska – einstmals Fidesz-Schatzmeister und seit 2015 Intimfeind von Ministerpräsident Viktor Orbán – das Ziel verfolge, den Fernsehsender der Linksopposition ATV linksseitig zu überbieten. Aus diesem Grunde habe er den ATV-Politik-Star Olga Kálmán zu seinem HírTV gelockt, mutmaßt Szarvas auf Pesti Srácok. Ähnliche Offerten seien auch zwei anderen ATV-Moderatoren unterbreitet worden, allerdings hätten diese abgelehnt. Berichten zufolge – so das Onlineportal – habe Simicska den Umworbenen ein über dem gewöhnlichen Niveau des Senders liegendes Gehalt angeboten.

HírTV hat unterdessen Berichte dementiert, wonach Olga Kálmán künftig doppelt so viel verdienen werde wie bei ATV. Nach Angaben des Senders wird sie sogar schlechter bezahlt als in ihrer aktuellen Position.

Im Wochenblatt Magyar Narancs dementiert der Eigentümer von ATV Gerüchte, denen zufolge Olga Kálmán seinen Kanal verlasse, weil ATV zunehmend unter Fidesz-Ägide gerate. Sándor Német, Gründungspfarrer der Hit Gyületkezete (Glaubenskirche), einer evangelikalen Religionsgemeinschaft, in deren Besitz sich ATV befindet, stellt dazu fest: „ATV wird nicht zum Opfer des Fidesz’schen Expansionsdrangs.“ Er räumt aber ein Treffen mit Andy Vajna ein, dem regierungsnahen Eigentümer von TV2, der Nummer zwei unter den ungarischen Privatfernsehsendern. Allerdings habe er sich mit dem ehemaligen ungarisch-amerikanischen Filmproduzenten lediglich übers Essen sowie Hollywood unterhalten. Zudem sei er mit Árpád Habony, dem PR-Berater des Regierungschefs zusammengetroffen, doch nur ganz inoffiziell.

Auf Mandiner kritisiert Péter Farkas Zárug HírTV dafür, dass der Sender Olga Kálmán ein Programm zur besten Sendezeit angeboten habe. Zárug, ein in Talkshows von HirTV ständig auftretender politischer Analyst, macht geltend, dass der Kanal durch die Übergabe seines wichtigsten Nachrichtenhintergrundprogramms an eine betont linksorientierte Journalistin sein konservatives Publikum verlieren werde. Das Regierungslager boykottiere HírTV seit nunmehr fast zwei Jahren. Folglich bezeichnet es Zárug als völlig unsinnig, die Leitung des abendlichen Nachrichtenjournals einem linken Star zu überlassen, der künftig seine unverkennbaren Qualitäten als Interviewer nicht mehr werde unter Beweis stellen können. Bislang sei HírTV für seine guten Beziehungen zu Jobbik-Chef Gábor Vona kritisiert worden. Jetzt werde man den Sender als Propagandisten der Linksopposition wahrnehmen, befürchtet Zárug.

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