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Orbáns Weihnachtsinterview gehackt

28. Dec. 2016

Ein Kommentator von Magyar Nemzet bezeichnet den beispiellosen Streich als Folge von „Bemühungen der Regierung um Unterwerfung der Medien“. Ein Kolumnist des linken Spektrums hält es für unethisch, dass ein Mitarbeiter einer lokalen Tageszeitung das Weihnachtsinterview von Ministerpräsident Orbán verfälscht hat.

Am Samstag war in Fejér Megyei Hírlap ein ausführliches Weihnachtsinterview mit Ministerpräsident Viktor Orbán veröffentlicht worden, wobei Teile des Wortlautes verfälscht worden waren. (Bei Fejér Megyei Hírlap handelt es sich um ein von der Firma Mediaworks herausgegebenes Blatt. Der Verlag war erst kürzlich von regierungsnahen Investoren erworben worden – vgl. BudaPost vom 10. Oktober.) Unter anderem legten die hinzugefügten falschen Äußerungen nahe, Orbán und seine Regierung hätten sich nicht um die Ansichten des Volkes geschert. Zudem würden haltlose Korruptionsvorwürfe genutzt, um die eigenen politischen Interessen zu fördern. Die Regionalzeitung entschuldigte sich für das verfälschte Interview und teilte mit, dass Hacker in das interne Computernetzwerk eingebrochen seien.

In Magyar Nemzet äußert Csaba Lukács die Vermutung, dass die Verfälschung des Interviews Ausdruck der Unzufriedenheit eines verzweifelten Mitarbeiters der Fejér Megyei Hírlap über den Zustand der Medien- und Pressefreiheit sei. Der Kolumnist wirft der Regierung vor, sie versuche eine totale Herrschaft über die ungarischen Medien auszuüben und kritische Quellen zu unterdrücken. Lukács vergleicht diese Bemühen sogar mit der kommunistischen Ära, als derlei Strategien gescheitert seien, denn die Ungarn hätten seinerzeit zwischen den Zeilen lesen können und sich über die Regierungspropaganda lustig gemacht.

Péter Szánthó von der Tageszeitung Népszava bezeichnet das Hacken des Orbán-Interviews als unethisch, wenn auch verständlich. Der linksorientierte Kolumnist spekuliert, dass sich ein wütender Mitarbeiter der Fejér Megyei Hírlap – möglicherweise bereits vor Weihnachten gefeuert – an der Tageszeitung habe rächen oder gegen die Übernahme durch ein regierungsnahes Medienunternehmen protestieren wollen. Derartige Kunststückchen dürften das Image von Ministerpräsident Orbán allerdings kaum beschädigen, mutmaßt Szánthó.

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