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Budapester Olympia-Bewerbung zurückgezogen

24. Feb. 2017

Nachdem die Regierung angekündigt hat, sie werde die Bewerbung für die Olympischen Spiele des Jahres 2024 zurückziehen, beschuldigt ein regierungsnaher Kommentator die Linke, sowohl die Nation als auch ihre eigenen Wähler verraten zu haben. Liberale Analysten wiederum zeigen sich über die Entwicklungen hocherfreut.

In Abstimmung mit dem Ungarischen Olympischen Komitee sowie dem Budapester Oberbürgermeister István Tarlós hat die Regierung am Mittwoch mitgeteilt, dass sie die Bewerbung der ungarischen Hauptstadt um Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 zurückziehen werde. Laut Regierungspolitikern war die Olympia-Bewerbung einst im breiten Einvernehmen der Parteien, darunter auch Sozialisten und Jobbik, erfolgt. Nunmehr würden die Oppositionsparteien gegen eigene Beschlüsse verstoßen und ihre Wähler belügen. Ohne einen breiten Konsens und in Anbetracht des drohenden Referendums (vgl. BudaPost vom 20. Februar) habe die ungarische Bewerbung keinerlei Aussicht auf Erfolg mehr, heißt es aus den Reihen der Regierung. Die Oppositionsparteien wiederum äußerten, bei der Rücknahme der Bewerbung handele es sich um einen Sieg der Öffentlichkeit über die Regierung.

Es sei eine erfreuliche Botschaft, dass die ungarische Öffentlichkeit die Regierung zum Rückzug gezwungen habe, frohlockt Márton Kárpáti auf Index. Der Aufstand des Volkes gegen die Olympia-Bewerbung nähre die Hoffnung, dass die Ungarn nicht völlig ihren Verstand verloren hätten und sie nicht gewillt seien, ein so gewaltiges und kostspieliges Projekt zu unterstützen, das lediglich den Interessen regierungsnaher Unternehmer dienen würde, notiert der liberale Kommentator.

Auf 444 interpretiert Zsolt Sarkadi die Entscheidung als Hinweis darauf, dass der Fidesz nicht viel von demokratischen Debatten halte. Der liberale Analyst wirft der Regierung vor, eher Druck auf die Öffentlichkeit auszuüben, als sich von den Prinzipien demokratischer Überzeugungsarbeit leiten zu lassen.

Es sei traurig, dass die Ungarn erneut zu kleinmütig gewesen seien, um einen großen nationalen Traum zu verwirklichen, schreibt Miklós Novák in Magyar Idők. Der der Regierung nahestehende Kolumnist vermutet, dass politisches Kalkül die Gegner der Olympia-Bewerbung getrieben habe, und wirft den Oppositionsparteien vor, ihr früheres Plazet zur Bewerbung zu verleugnen. Dennoch ist Novák der Meinung, dass die Bewerbung nicht hätte zurückgezogen werden sollen. Stattdessen hätte die Regierung das Referendum angehen und versuchen sollen, die Wähler von der Machbarkeit des Projekts zu überzeugen.

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