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Ungarn plant 2,5-prozentiges BIP-Wachstum

10. Feb. 2017

Die Kommentatoren bewerten das ungarische Wirtschaftswachstumspotenzial extrem unterschiedlich.

In Magyar Idők lobt Gergely Kiss die Anstrengungen der Regierung um eine Erhöhung der Löhne. Obgleich Ungarn weniger unter Abwanderungsbewegungen zu leiden habe als andere postkommunistische Staaten der Region, würden die Wachstumsaussichten des Landes durch Arbeitskräftemangel beeinträchtigt, konstatiert der regierungsnahe Kolumnist. Die Realeinkommensverhältnisse könnten mehr Ungarn dazu ermutigen, in der Heimat zu arbeiten, glaubt Kiss.

Csaba Szajlai räumt ein, dass die Orbán-Regierung erfolgreich den Haushalt stabilisiert und die externe Verschuldung gesenkt habe. Durch eine Erholung von der „ursprünglichen Sünde“ der Kreditaufnahme in Devisen habe Budapest die großen Ratingagenturen dazu gebracht, die Bewertung Ungarns wieder auf investitionswürdig hochzustufen, schreibt Szajlai in Magyar Hírlap.

Die ungarische Regierung sollte mehr unternehmen, um der armen ländlichen Roma-Bevölkerung den Zugang zu anständiger Beschäftigung zu ermöglichen, fordert Judit Doros in Népszava. Die Kolumnistin aus dem linken Spektrum bezeichnet es als brisant, dass die Regierung ein Gastarbeiterprogramm für ukrainische Arbeitskräfte zwecks Besetzung offener Stellen aufgelegt habe, während gleichzeitig zahllose ungarische Roma „als Sklaven in die öffentlichen Beschäftigungsprogramme der Regierung eingebunden sind“.

Péter Hajdú von der Tageszeitung Magyar Nemzet äußert sich skeptisch hinsichtlich der Wachstumsaussichten Ungarns. Der unabhängige konservative Autor bezeichnet eine frühere Prognose von János Lázár, dem für das Amt des Regierungschefs zuständigen Minister, über ein ungarisches Wachstumspotenzial von fünf Prozent im Jahre 2017 als unrealistisch. Zwar könnten EU-Strukturfonds die ungarische Wirtschaftsleistung zeitweilig erhöhen, doch würde für ein kontinuierliches Wachstum ein höheres Investitionsniveau benötigt, gibt sich Hajdú überzeugt.

Der Protektionismus von US-Präsident Donald Trump könnte die ökonomischen Perspektiven Ungarns massiv beeinflussen, warnt Attila Gyurcsik auf Index. Sollte Trump Importe künftig mit Zöllen belegen, stünden den Fabriken deutscher Automobilhersteller in Ungarn unvermeidlich harte Zeiten bevor, befürchtet der Investmentbanker.

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