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Braucht Ungarn den Euro?

10. Jul. 2017

Ein konservativer Ökonom befasst sich mit den möglichen Vor- und Nachteilen einer Einführung des Euro in Ungarn und spricht sich dabei für eine gelassene und pragmatische Herangehensweise aus.

Es sei Zeit über die Frage nachzudenken, ob Ungarn in naher Zukunft den Euro brauchen werde, schreibt Csaba Szajlai im Wochenmagazin Figyelő. Der konservative Wirtschaftswissenschaftler vermutet, dass die Auszahlung von EU-Kohäsionsfonds gut und gerne von der Einführung der europäischen Einheitswährung abhängig gemacht werden könnte. Folglich müsse Ungarn ernsthaft untersuchen, welchen Einfluss der Euro auf die ungarische Wirtschaft ausüben würde. Szajlai unterstreicht, dass Ungarn die meisten der finanztechnischen Kriterien für eine Euro-Einführung erfülle. Falls also die öffentliche Schuldenquote unter 60 Prozent des BIP gedrückt werden würde, könnte der Euro den Forint ersetzen.
Als Vorteile des Währungswechsels benennt Szajlai die starke Unterstützung seitens der Europäischen Zentralbank, nicht mehr existierende Wechselkursverluste sowie eine leichtere Verfügbarkeit von Kapital zur Finanzierung des Staates. Allerdings würde die Einführung der gemeinsamen europäischen Währung ein aktives Eingreifen und Stimulieren der ungarischen Wirtschaft durch die Nationalbank unmöglich machen.
Szajlai befürchtet, dass der Euro das ungarische Wachstum behindern könnte – da Ungarn keinen Einfluss mehr auf die Wechselkurse haben würde – und der die Wirtschaftsleistung westeuropäischer Kraftzentren widerspiegelnde Euro zudem Exporte bremsen dürfte. Insgesamt gesehen ist sich der Experte unsicher, ob die Einführung des Euro lohnen würde. Allerdings warnt Szajlai vor ideologischen Auseinandersetzungen und empfiehlt ein nüchtern pragmatisches Konzept zur Lösung des Problems.

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