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Samstagsdemo – die Zweite

24. Apr. 2018

Kommentatoren sind sich einig, dass die Zehntausende von Menschen, die an der zweiten Samstagsdemonstration gegen die Regierung teilgenommen haben, noch weit von der Verfolgung klarer politischer Ziele entfernt seien. Ansonsten drücken sie diametral entgegengesetzte Ansichten über diese neue Bewegung aus.

Am zweiten Samstag in Folge nach dem Urnengang vom 8. April sind erneut Zehntausende durch die Straßen von Budapest marschiert, um ihrer Unzufriedenheit mit dem Wahlergebnis Ausdruck zu verleihen. Eine dritte Kundgebung soll am 8. Mai vor dem Parlamentsgebäude stattfinden, wenn das neu gewählte Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommt.

Gyula T. Máté bezeichnet es auf Pesti Srácok als absurd, dass die Massenkundgebung zwar offiziell die Forderung nach Pressefreiheit erhoben habe, sie jedoch von zwei landesweit empfangbaren Fernsehsendern live übertragen wurde.

In Magyar Idők verurteilt Zsolt Bayer führende Repräsentanten von Jobbik, die am Samstag zusammen mit DK-Chef Ferenc Gyurcsány protestiert hatten. Der streitbare Publizist erinnert daran, dass Jobbik nach den Unruhen 2006 gegen die Regierung Gyurcsány massenhaft Unterstützung erhalten habe.

Ministerpräsident Viktor Orbán versuche nach einer Dekade der Positionierung in der politischen Mitte nunmehr, die Radikalen von Jobbik für sich zu gewinnen. Und das auch um den Preis, gemäßigte Konservative zu verlieren, schreibt Szilárd Veisz auf Reflektor. Der Kolumnist mutmaßt, dass der Fidesz seine erdrückende Überlegenheit auf dem Land ehemaligen Jobbik-Wählern zu verdanken habe.

Auf 444 bezeichnet Dániel Ács die Demonstranten vom Samstag als „die einsamste Menschenmenge, die Budapest je gesehen hat“. Die erste Demonstration habe sich gegen einen vermeintlichen Wahlbetrug gerichtet. Inzwischen jedoch hätten sich die Demonstranten mit der Niederlage der Opposition abgefunden. Allerdings wüssten sie noch immer nicht, wohin die Reise gehen solle. Auf jeden Fall, so Ács, seien ihre Redner laienhaft und sie hätten keine Leute, die sie auf der politischen Bühne vertreten würden.

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