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Eine Marx-Statue – weiteres Streitobjekt im Krieg der Denkmäler

24. Jan. 2014

Linke Beobachter begrüßen die Entscheidung der Corvinus-Universität, eine Statue von Karl Marx nicht aus ihrem Eingangsbereich zu entfernen. Damit reagierte die Hochschule auf eine Forderung, wonach das Abbild des “geistigen Vaters” des Kommunismus nicht in der Haupthalle der Universität ausgestellt werden und als täglicher Treffpunkt junger Leute dienen sollte.

In seiner Antwort an Staatssekretär Bence Rétvári wies der Rektor der Corvinus-Universität das vom christdemokratischen Politiker geäußerte Ansinnen zurück, die Statue von Karl Marx aus der Eingangshalle des Uni-Hauptgebäudes zu entfernen. Die Hochschule habe einst den Namen “Karl-Marx-Universität für Wirtschaftswissenschaft” getragen und sei vor 20 Jahren vom Universitätsrat umbenannt worden, erinnerte Rektor Zsolt Rostoványi in seiner Erwiderung. Allerdings gehöre die Statue zur Geschichte der Universität und werde demzufolge dort bleiben, wo sie ist, bekräftigte Rostoványi, der in seiner Stellungnahme nicht auf die Behauptung Rétváris einging, wonach Marx nicht nur der intellektuelle Wegbereiter des totalitären Kommunismus gewesen sei, sondern zudem “ein Antisemit und Rassist”.

Auf Galamus bezweifelt Ádám Paár nicht, dass Marx Antisemit gewesen sei, macht aber darauf aufmerksam, dass sich die Statue nicht deswegen dort befinde, um ihn in dieser Eigenschaft zu feiern. Vielmehr werde an ihn als einen großen Denker erinnert. Deswegen befinde sich die Statue in einer Universität “und nicht im Parlamentsgebäude”. Wir bestünden alle aus einer Mixtur aus  Gutem und Schlechtem, fährt der Autor fort und erinnert Rétvári daran, dass “er als Christ das wissen sollte”.

Auch Sándor Révész von Népszabadság bestreitet die antisemitische Affinität von Karl Max nicht, verweist jedoch darauf, dass Antisemitismus unter frühen Sozialisten oder religiösen Oberhäuptern in der Tat nicht ungewöhnlich gewesen sei. Heutzutage würde er den Gedanken an die Errichtung einer Marx-Statue ablehnen, doch eine Entfernung jetzt käme dem Versuch gleich, “unsere Vergangenheit zu entsorgen”. Falls wir nicht in der Lage seien, große Denker zu respektieren, deren Gedankengut wir nicht teilen könnten, würden “unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft völlig leer werden”, schlussfolgert Révész.

Péter Németh, seines Zeichens Chefredakteur von Népszava, empfindet den Gedanken an eine Beseitigung der Statue als Anzeichen “kompletten Irrsinns”. Der Journalist hält es für unverschämt, dass sich der Staatssekretär in das Leben der Universität einmische. “Glücklicherweise war der Rektor bei klarem Verstand” und habe ihm die richtige Botschaft übermittelt.

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