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Dogmen der Roma-Integration im Widerstreit

14. Jun. 2014

Ein konservativer Kolumnist macht das, was er „die Kultur der Armut“ bezeichnet, für die Ausgrenzung der Roma verantwortlich, weniger die Diskriminierung seitens der Mehrheitsbevölkerung. Sein linksorientierter Kollege empfindet es als eigenartig, dass die Rechte von den in Not und Ausgrenzung Lebenden einen Kampf gegen Vorurteile erwartet.

In Armut lebende Roma könnten aus dieser Tiefe nicht herausgeholt werden, schreibt Miklós András Lázin in Magyar Hírlap. Not und Armut ließen sich nicht durch Wohlfahrts- und Arbeitsdienstprogramme lindern, ist der konservative Kolumnist überzeugt. In ländlichen Slums lebende Menschen seien offenbar nicht bereit, ihr eigenes Schicksal zu verbessern, glaubt Lázin angesichts ungepflegter Höfe und zugemüllter Wohngegenden, in denen überwiegend – aber nicht ausschließlich – Roma lebten. Wenn sich Menschen in ihrer Alltagsarmut nicht einmal die Mühe machten, in ihren Gärten Gemüse anzupflanzen, dann seien sie absolut nicht um ihr eigenes Wohlergehen besorgt. Diejenigen, die sich mit den Realitäten bitterer Armut auskennen und wissen würden, dass Armut zunächst und vor allem das Ergebnis von Kultur und Lebensstil sei, akzeptierten Losungen liberaler und linker Menschenrechtsaktivisten nicht, die für sämtliche Missstände der Roma-Verarmung rassistische Diskriminierung verantwortlich machten, notiert Lázin.

Miklós Hargitai von der Tageszeitung Népszabadság kritisiert das, was er „das vorherrschende Dogma der Rechten“ nennt. Konservativen wirft er vor, die negative Haltung der Ungarn gegenüber den Roma vor allem auf deren mangelnde Lern-, Arbeits- und Integrationsbereitschaft zurückzuführen, nicht aber auf offen rassistische Vorurteile. Der linke Kolumnist erinnert an die Zwischenkriegszeit, als ein ungezügelter Antisemitismus geherrscht habe, obgleich sich die ungarischen Juden hätten integrieren wollen und erfolgreich die Schule besuchten. Demzufolge könnten Vorurteile grassieren, selbst wenn eine Minderheit sozial nicht benachteiligt sei. Hargitai empfindet es als eigenartig, dass viele bei den Rechten von in Armut lebenden Roma eine Entkräftung der Stereotype erwarteten. Abschließend fragt sich der Autor, ob diejenigen, die für ihre eigenen negativen Gefühle Roma gegenüber den Lebensstil und die Kultur der Minderheit verantwortlich machten, Roma einstellen oder sie in den Schulen ihrer Kinder willkommen heißen würden.

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