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Die Ukraine-Krise und der geopolitische Wandel

25. Aug. 2014

Ein linksorientierter Kommentator sieht einen neuen Kalten Krieg zwischen Russland und dem Westen am Horizont heraufdämmern, was bedeute, dass Ungarn seine doppelzüngige Außenpolitik beenden müsse. Ein konservativer Analyst äußert die Befürchtung, dass ein Kompromiss zwischen den großen Mächten mit der Zeit immer unwahrscheinlicher werde. Ein weiterer Experte des Regierungslagers fordert die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland.

„Wir müssen Ministerpräsident Orbán beipflichten, dass sich aktuell ein geopolitischer Wandel vollziehe und alles passieren könne“, schreibt der Chefredakteur von 168 Óra, Tamás Mészáros. Der linke Journalist sagt eine Eskalation der Ukraine-Krise voraus. Die Region werde sich destabilisieren, selbst wenn Moskau von einem Einmarsch in die Ukraine absehen sollte. Mészáros spekuliert über den Ausbruch eines „neuen Kalten Krieges“ zwischen dem Westen und Russland, bei dem die Orbán-Regierung werde Partei ergreifen und auf ihren aktuellen außenpolitischen Balance-Akt verzichten müssen.

Die Ukraine-Krise werde die geopolitische Stellung Europas erheblich beeinflussen, gibt sich Zoltán Kiszelly in Magyar Hírlap überzeugt. Der konservative Politologe stimmt mit Regierungschef Orbán überein, dass die gegenseitigen Wirtschaftssanktionen zwischen der EU und Russland dem gesamten Kontinent Schaden zufügen würden (vgl. BudaPost 18. August). Die USA stünden hingegen künftig besser da, weil sie sich günstiger Zugang zu europäischen Waren und Unternehmen verschaffen könnten, merkt Kiszelly an. Je mehr sich die Krise verschärfe, um so schwerer werde ein Kompromiss zwischen den Parteien realisierbar. Der Autor vergleicht die aktuelle Lage mit der Zeit vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. In der gegenwärtigen Situation müsse Ungarn vernünftigerweise neue Märkte für seine Erzeugnisse und Produkte erschließen, rät Kiszelly.

Die Ukraine-Krise werde das Wirtschaftswachstum in der gesamten EU bremsen, schreibt Gergely Kiss in der Tageszeitung Magyar Nemzet. Der regierungsfreundliche Kommentator befürchtet, dass demnächst weitere Sanktionen verhängt werden könnten, die Ungarn, der EU und Russland noch größere Schäden zufügen dürften. Ungeachtet des ungarischen Engagements für Rechtsstaatlichkeit und territoriale Integrität ginge es Ungarn besser, wenn die EU-Sanktionen gegen Russland aufgehoben würden, ist sich Kiss sicher.

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