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Ungarn – fest im Westen verankert

15. Sep. 2014

Zwei regierungsfreundliche Autoren sind sich darin einig, dass es dumm wäre, würde Ungarn zwischen Ost und West hin und her schwanken. Sie warnen vor der Versuchung, einen zu großen Nachdruck auf die Unstimmigkeiten mit den westlichen Verbündeten Ungarns zu legen.

In der Druckausgabe von Heti Válasz kritisiert Gergely Prőhle konservative Autoren massiv, die „in jüngster Zeit eigenartige pro-russische Gefühle offenbart haben“. Natürlich, so räumt der Vize-Staatssekretär im Ministerium für Humanressourcen ein, gehöre das künstlerische und literarische Erbe Russlands zu den kostbarsten Juwelen der Menschheit. Allerdings seien derartige Empfindungen bei manchen im Zuge der jüngsten politischen Entwicklungen zu Tage getreten und würden in rechten Talkshows von vehementen anti-amerikanischen Äußerungen sekundiert.
Für Prőhle ist das teilweise auf eine gegen die Globalisierung gerichtete Geisteshaltung zurückzuführen. Leute könnten zu Recht fragen, warum gerade Washington immer wieder neue Bedenken hinsichtlich des Zustandes der Demokratie in Ungarn äußern müsse. Dennoch ließen eindrucksvolle pro-russische und anti-amerikanische Gefühle in Mitteleuropa eine höchst unglückliche Mixtur entstehen. Gewiss spiele Russland in unseren wirtschaftlichen und handelspolitischen Beziehungen eine wichtige Rolle. Doch habe Ungarn mit den Beitritten zur Europäischen Union und zur Nato seinen besten Interessen gedient. Ungarn dürfe niemals vergessen, dass das westliche Bündnis das einzige ist, das ihm Sicherheit garantieren könne, stellt Prőhle klar.

Im Leitartikel von Magyar Hírlap schreibt Csaba Szajlai, Ungarn sei nicht einfach nur Nutznießer von EU-Subventionen, sondern hänge eigentlich von ihnen ab. Der Journalist nennt das eine „positive Abhängigkeit“, ohne die Ungarn im vergangenen Jahr in die Rezession geglitten wäre. Auch wäre das fast vierprozentige Wachstum (in den beiden ersten Quartalen) dieses Jahres erheblich moderater ausgefallen. Neunzig Prozent der Investitionen auf staatlicher und kommunaler Ebene basierten auf Zahlungen aus EU-Töpfen. Doch spielten kulturelle und strategische Erwägungen eine ebenso wichtige Rolle, notiert Szajlai. Für Ungarn sei es viel ratsamer und sicherer, einem 500 Millionen starken wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluss anzugehören, als unabhängig, aber schwach zu sein. Die Frage laute nicht, ob Ungarn zum Osten oder zum Westen gehöre, denn „institutionell, gesellschaftlich und kulturell gesprochen sind wir Teil der westlichen Staatengemeinschaft“, betont Szajlai und schließt mit der Aufforderung, EU-Gelder besser zu nutzen, anstatt die Union sogar für unsere eigenen Fehler verantwortlich zu machen. Doch zunächst und vor allem gehe es bei der Union nicht einfach nur um Geld. „Menschen treten Vereinen bei, um sich besser zu fühlen.“

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