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Noch ein „Friedensmarsch“?

5. Nov. 2014

Einer der Organisatoren einer Reihe von regierungsfreundlichen Massendemonstrationen hat angekündigt, dass – obwohl die Regierung keinen weiteren „Friedensmarsch“ wolle – ein solcher abgehalten werde, um auf jüngste Massendemonstrationen der Opposition gegen die Internetsteuer zu reagieren und zu zeigen, dass die Mehrheit auf Seiten der Regierung stehe.

Mit einem neuerlichen „Friedensmarsch“ werde westlichen Kritikern klar werden, dass die Regierung daheim nach wie vor die überwältigende Unterstützung genieße. Diese Überzeugung äußert Zsolt Bayer in Magyar Hírlap. Im Hinblick auf die jüngsten amerikanischen Klagen über der Korruption verdächtige einflussreiche Vertreter des politischen und wirtschaftlichen Lebens fordert er für den Fall, dass irgendeiner der Vorwürfe zutreffen sollte, „die härtest mögliche Bestrafung“ der Schuldigen. Gleichzeitig erinnert Bayer daran, dass ihm Lockheed Martin 1995 für eine Fernsehreportage über die USA 20.000 Dollar gezahlt habe. Dafür habe er unter anderem die Produktionsanlagen des F16-Kampfbombers besuchen und „nette Dinge über das Erzeugnis sagen“ müssen. „Wenn ich ihnen 20.000 wert war, wie viel waren sie bereit, an Entscheidungsträger zu zahlen?“, fragt Bayer. Der Autor erwähnt diese Episode, da seiner Meinung nach die Verschlechterung der ungarisch-amerikanischen Beziehungen mit dem Jahr 2000 begonnen hatte, als sich Ministerpräsident Orbán für schwedische Gripen-Flugzeuge anstatt der F16 von Lockheed entschieden habe. „Meine lieben Freunde“, fährt er fort und meint dabei die politische Führungsspitze Landes, „neigen dazu, sich mit absoluten Idioten zu umgeben“. Auch „haben sie niemals die ihnen drohende tatsächliche Gefahr erkannt“. Es sei nun Sache der Organisatoren der regierungsfreundlichen Märsche, einen weiteren zu organisieren, selbst wenn die Regierung diese Idee ablehnen sollte. Zur Begründung schreibt Bayer: „Da 20- bis 30-tausend Menschen erklären, dass sie das Volk seien, und ihnen von der CIA unter die Arme gegriffen wird“. (Womit er auf die Oppositionsdemonstrationen anspielt – Anm. d. Red.) Sie seien jedoch nur ein Teil des Volkes, wie auch die Teilnehmer des nächsten „Friedensmarsches“ ein Teil des Volkes seien. Letztere aber, darauf beharrt der Verfasser, „sind der bei weitem größere Teil“.

(Nach einem Treffen mit den Mitgliedern der Parlamentsfraktion seiner Fidesz-Partei äußerte Ministerpräsident Orbán am Dienstag, er benötige gegenwärtig keinen neuen Friedensmarsch. Wörtlich sagte Orbán: „Jetzt marschieren wir nicht, es herrscht Frieden.)

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