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Was treibt regierungskritische Demonstranten?

24. Dec. 2014

Ein konservativer Kommentator hält die jüngsten regierungskritischen Demonstrationen für nichts mehr als Provokationen einer zusammengewürfelten Truppe kleiner, aber lautstarker linksradikaler Gruppierungen. Die führende linksorientierte Zeitung verweist auf eine aktuelle Umfrage, der zufolge es sich bei der Mehrheit der Protestierer um linke Wähler handele.

Niemand habe einen blassen Schimmer, wogegen die Demonstranten eigentlich genau auf die Straße gingen, behauptet Dávid Megyeri in Magyar Nemzet und fährt fort, es wäre an der Zeit, dass eine ordnungsgemäße Meinungsumfrage einmal ihre Motivationen erkundet. Der regierungsfreundliche Kommentator hat den Eindruck, dass die meisten Kundgebungen lediglich von einer relativ geringen Zahl Ungarn besucht und von einer ausgiebigen medialen Berichterstattung zur Sensation stilisiert würden (vgl. BudaPost vom 1. Dezember). Für Megyeri verfügen sowohl die Protestierenden als auch deren Sprecher über kein inhaltliches Profil außer dem, dass sie lautstark Anti-Fidesz-Sprüche brüllen würden. Die Proteste seien nichts weiter als Provokationen linksradikaler Gruppierungen. Doch da die Polizei vorsichtig genug sei, um diesen Provokationen nicht mit Gewalt zu begegnen, sei es unwahrscheinlich, dass die Ungarn Sympathien mit den Demonstranten entwickeln würden, gibt sich Megyeri überzeugt.

Die Demonstranten gingen aus Unzufriedenheit mit der Regierung auf die Straße, heißt es bei Népszabadság mit Blick auf eine aktuelle Meinungsumfrage. (In dieser nicht repräsentativen Erhebung waren 1.650 Teilnehmer der regierungskritischen Demo vom 16. Dezember nach ihren Motiven und politischen Präferenzen befragt worden – Anm. d. Red.) Obgleich die Veranstalter der Demonstrationen gerne behaupten würden, sie protestierten eher gegen die vergangenen 25 Jahre und das gesamte politische Establishment als ausschließlich gegen die amtierende Regierung, weise die Umfrage in eine andere Richtung. So hätten 63 Prozent angegeben, bei den Parlamentswahlen vom April für das Linksbündnis, 19 Prozent für die LMP und lediglich ein Prozent für den Fidesz gestimmt zu haben. Die Mehrheit der Demonstranten würde eigenem Bekunden zufolge wegen ihrer allgemeinen und tiefen Unzufriedenheit mit der Regierung Orbán auf die Straße gehen, informiert Népszabadság. Lediglich sechs Prozent verfügten demnach über keine klare Parteienpräferenz. Die linke Tageszeitung fügt allerdings hinzu, dass eine einzige Momentaufnahme nicht genüge und eine tiefer gehende Analyse notwendig wäre, um mehr über die Denkweise und die Motive der Demonstranten zu erfahren.

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