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Beschäftigungslage verbessert

31. Jul. 2015

Die Lage auf dem ungarischen Arbeitsmarkt ist so gut wie seit 23 Jahren nicht mehr. Das belegen Zahlen der nationalen Statistikbehörde. Vor diesem Hintergrund sind sich regierungsfreundliche und konservative Kolumnisten einig, dass das Kabinett Orbán auf dem besten Wege sei, seine wichtigsten beschäftigungspolitischen Ziele zu erreichen. Ein linksorientierter Kolumnist allerdings gießt Wasser in den Wein, denn seiner Ansicht nach ist die Situation nicht gar so rosig, wie von der Regierung behauptet.

Laut dem jüngsten Bericht des Statistischen Zentralamts ist die Zahl der Arbeitsplätze im Juni gegenüber dem Vorjahr um 126.000 gestiegen. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigungslosen im gleichen Zeitraum um 49.000 auf eine Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent. Von den 126.000 neuen Arbeitsplätzen entstanden 45.000 im Rahmen des öffentlichen Arbeitsbeschaffungsprogramms sowie rund 70.000 Jobs in der Privatwirtschaft. Der Rest entfällt auf im Ausland tätige Ungarn.

In Napi Gazdaság interpretiert Gergely Kiss die Zahlen als Beleg dafür, dass sich die Regierung auf dem richtigen wirtschaftspolitischen Weg befinde und sich dem 2010 von Ministerpräsident Orbán ausgegebenen Ziel von einer Million neuer Arbeitsplätze nähere. Der regierungsfreundliche Kommentator weist linke Kritik zurück, derzufolge die Verbesserung der Beschäftigungsquote auf öffentliche Arbeitsbeschaffung zurückzuführen sei. Laut Kiss seien die meisten neuen Jobs im privaten Sektor entstanden. Der Autor verteidigt in diesem Zusammenhang das staatliche Beschäftigungsprogramm im öffentlichen Sektor mit dem Argument, die Regierung müsse denjenigen eine Arbeit zuweisen, die in der Privatwirtschaft keinen Job finden könnten. Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, könnte – wie von Ministerpräsident Orbán angekündigt (vgl. BudaPost vom 6. November 2014) – bis 2018 Vollbeschäftigung erreicht werden. Die nächste große Herausforderung bestehe in der Reduzierung der regionalen Unterschiede bei der Erwerbstätigenquote, notiert Kiss abschließend.

Jeder, der arbeiten wolle, könne einen Job bekommen, behauptet Csaba Erdősi in Magyar Nemzet. Der konservative Autor räumt ein, dass der beschäftigungspolitische Trend vielversprechend sei, obwohl die ungarischen Löhne nach wie vor deutlich unter dem europäischen Durchschnitt lägen. Erdősi unterstreicht, dass der Mindestlohn unter dem Existenzminimum liege. Schlussfolgernd fordert er eine Erhöhung der Löhne und bestreitet, dass sich dies negativ auf Beschäftigung oder Produktivität auswirken würde.

In Népszava argumentiert Miklós Bonta, Arbeitsmarktstatistiken seien stets ein Tummelplatz für Flickschusterei und Täuschung gewesen. Spezifische Zahlen betreffend erwähnt der linke Kolumnist lediglich eine Information aus dem aktuellen Arbeitsmarktbericht: So sei die durchschnittliche in der Arbeitslosigkeit verbrachte Zeit von 18,5 auf 19 Monate gestiegen, wobei 48,5 Prozent der Beschäftigungslosen mindestens ein Jahr ohne Job verbracht hätten. Dies, so Bonta, lasse darauf schließen, dass „diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, auch arbeitslos bleiben“.

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