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Ungarn – im Clinch mit dem EU-Mainstream

21. Oct. 2015

Für einen Kommentator aus dem linken Spektrum ist die Kritik an europäischen Spitzenpolitikern aus den Reihen der Regierungsbefürworter einfach unverschämt und nicht europäisch. Ein konservativer Kolumnist wiederum beklagt, dass Ungarn in Westeuropa ungerecht behandelt werde. Die beiden Artikel spiegeln eine hundert Jahre alte Kluft wider, die „Progressive“ und „Konservative“ voneinander trennt. Während die einen nach Modellen im Westen suchen, werfen die anderem diesem Voreingenommenheit gegenüber Ungarn vor.

In Népszava kritisiert Péter Somfai die Äußerung eines früheren Geheimdienstmitarbeiters, der Kanzlerin Merkel zum Rücktritt aufgefordert hatte, da „Frauen nicht geeignet sind, ihre Truppen in einen Krieg zu führen“. Dies spiegele die respektlose Haltung von Regierungskreisen gegenüber der Europäischen Union wieder, meint der Autor. Der Ministerpräsident selbst, erinnert Somfai, habe sich jahrelang in scharfem Ton über die EU-Kommissarin Viviane Reding geäußert und der Europaparlamentsabgeordnete Tamás Deutsch im Zusammenhang mit einer hochrangigen Angestellten des US-Außenministeriums eine vulgäre Sprache benutzt, während der Außenminister die führenden Persönlichkeiten befreundeter Staaten in einem Jargon belehre, „der eher zu Hallenfußballturnieren passt”. Somfai schließt mit dem sarkastischen Eingeständnis, dass er sich 2004 in seiner Annahme geirrt habe, „dass wir endlich zu Europäern werden“.

Auf Mandiner fragt sich Bence Pintér, wie die EU-Spitzenpolitiker wohl reagiert hätten, wenn ein Migrant in Ungarn erschossen worden wäre – und zwar in Anbetracht ihrer heftigen Kritik am südungarischen Grenzzaun sowie des Vorfalls, bei dem Ungarn und die Polizei den Versuch hunderter Migranten abgewehrt hatten, die Grenze zu durchbrechen. (Pintér sieht sich durch den Fall eines Afghanen zu dieser Frage veranlasst, der versehentlich von der bulgarischen Polizei erschossen wurde, nachdem er durch den Zaun an der bulgarisch-türkischen Grenze geklettert war – Anm. d. Red.) Dieser Zaun sei niemals Gegenstand irgendeiner öffentlichen Kritik gewesen, notiert Pintér en passant. Auf den Vorfall angesprochen, habe EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gesagt, er sei nicht über die Einzelheiten informiert worden, „aber wir stehen an der Seite Bulgariens“.

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