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Mafioso beschuldigt ehemaligen Bezirksbürgermeister Rogán

20. Jun. 2016

Nachdem Ungarns führender Mafioso Tamás Portik behauptet hatte, einem führenden Fidesz-Politiker Euro im Gegenwert von zehn Millionen Forint gegeben zu haben, machen regierungsfreundliche Medien Widersprüche in seinen Angaben aus. Die führende Tageszeitung des linken Spektrums ist sich dagegen in ihrem Urteil über die Affäre nicht vollkommen schlüssig.

Portik, der im vergangenen Monat in einem von mehreren gegen ihn laufenden Mordprozessen zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt worden war, sagte dieser Tage als Zeuge in einer Verleumdungsklage aus, die Kabinettsminister Antal Rogán gegen den Vizevorsitzenden der Partei Együtt (Gemeinsam), Péter Juhász, angestrengt hatte. Das Stadtratsmitglied des V. Budapester Bezirks behauptet, Rogán sei ein Straftäter, und bezichtigt den früheren Bürgermeister in diesem Zusammenhang, leerstehende Geschäftsräume zu niedrigen Preisen an Personen verkauft zu haben, die sich nach seinem Dafürhalten für diesen Gefallen erkenntlich zeigen würden. Der in München weilende Rógan ließ mittlerweile wissen, er habe Portik nie getroffen.

„Portik verpasst Rogán ein Preisschild“, lautet die Schlagzeile auf Seite eins von Népszabadság. Im zugehörigen Leitartikel argwöhnt die links ausgerichtete Tageszeitung, dass Rogán seinen Lebensstil nicht glaubhaft rechtfertigen könne und Portiks Behauptungen dahingehend eine mögliche Erklärung liefern würden. Dennoch geben die Autoren zu bedenken, dass Portiks Aussage nicht automatisch für bare Münze zu nehmen sei. Vielleicht werde er ja aufgrund seines Gefängnisaufenthalts von Rachegelüsten getrieben, immerhin „sitzen seine alten Vertrauten unterdessen in VIP-Logen“.

In seinem Bericht über den Prozess für Magyar Hírlap zitiert Tibor Csibra aus der Zeugenaussage Portiks. Der sei von Árpád Habony – heute ein informeller PR-Berater des Ministerpräsidenten – gebeten worden, den Bürgermeister mit Hilfe seiner (Portiks) Partnerin Mariann Pápa zu warnen. (Pápa hat aber nicht nur bestritten, jemals mit Portik in einer Lebensgemeinschaft gelebt zu haben. Vielmehr informierte sie die Presse dahingehend, dass sie niemals Kontakt zu ihm gehabt habe – Anm. d. Red.)

Portik habe sich selbst widersprochen, urteilt das rechtsorientierte Portal Pestik Srácok. Denn etwa zwei Jahre nachdem er angeblich das Äquivalent von zehn Millionen Forint an den Bürgermeister übergeben haben wollte, aber noch in der Zeit der linksliberalen Regierung, habe er den Chef des Spionageabwehrdienstes getroffen und diesem seine Hilfe angeboten, um belastendes Material über Fidesz-Politiker beizubringen. In einem Fall sei scheinbar tatsächlich auch geliefert worden – eine männliche Person habe dem damaligen Debrecener Bürgermeister und jetzigen Fidesz-Fraktionschef Lajos Kósa vorgeworfen, Bestechungsgelder angenommen zu haben. Dann aber habe er der Polizei gestanden, von Portik zu einer derartigen Aussage erpresst worden zu sein. Während seiner Unterhaltung mit dem Chef der Spionageabwehr, deren Mitschnitt von Pesti Srácok veröffentlicht wurde, sagte Portik wörtlich: „Ich habe niemals Politikern des rechten, sondern ausschließlich des linken Lagers Geld gegeben.“

In Magyar Idők berichtet Dániel Vígh über den Prozess und schreibt: Von Rogáns Anwalt befragt habe Portik zugegeben, die Wahrheit gesagt zu haben – nämlich, dass von ihm niemals Geld an Politiker der Rechten geflossen sei. Auf die näheren Umstände, unter denen er dem Bürgermeister das Bestechungsgeld angeblich übergeben habe, sei er nicht näher eingegangen.

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