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Polizei und Aktivisten geraten im Stadtwäldchen aneinander

30. Jun. 2016

Magyar Idők kritisiert Umweltaktivisten, die ein Projekt zur Umgestaltung von Budapests beliebtestem öffentlichen Park zu verhindern versuchen, während Magyar Nemzet meint, die Haltung der Regierung sei Teil des Problems.

In Ungarn existierten gewöhnlich zwei grundsätzliche Ursachen für allgemeinen Unmut: „Wenn etwas gebaut und wenn etwas nicht gebaut wird“, scherzt Ottó Gajdics im Leitartikel für Magyar Idők, in dem er die jüngsten Zusammenstöße von Sicherheitskräften, Polizei und Umweltaktivisten im Stadtwäldchen beleuchtet.
(Pläne zum Bau eines Museumsviertels im Stadtwäldchen [Városliget], dem meistbesuchten, allerdings auch vernachlässigten Park der Hauptstadt, haben heftige Proteste ausgelöst. Kritiker beanstanden unter anderem, dass für das Projekt gesunde Bäume gefällt werden müssen. Auch die Errichtung von hohen Gebäuden in diesem innerstädtischen Erholungsjuwel stößt auf massive Ablehnung. Die Protestbewegung erhielt bereits kurz nach ihrem Entstehen einen gewissen politischen Unterton, nachdem der Plan für eine Volksabstimmung zu dem Thema vor dem obersten Gerichtshof Ungarns gescheitert war [vgl. BudaPost vom 22. Januar 2016]. Darüber hinaus werden die Protestler nunmehr von der Partei LMP sowie einem Teil der Budapester Intelligenz mit ihrer starken Verwurzelung in der Umwelt- und Politaktivistenszene der späten 1980er Jahre unterstützt. Demonstranten vor Ort hatten immer wieder versucht, Arbeiter am Fällen von Bäumen zu hindern und die Bauarbeiten in Angriff zu nehmen. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei und Wachpersonal – zuletzt Anfang dieser Woche – Anm. d. Red.)
Der Leitartikler der regierungstreuen Tageszeitung nennt die Protestbewegung einen „Schwindel“ und ihre Aktionen absurd, würde sie doch jene bekämpfen, die den heruntergekommenen Park retten wollten. Für die Protestierenden sei das größte Problem, dass das Projekt von der Regierung Viktor Orbáns konzipiert und realisiert werde: Deshalb, so Gajdics, müsse es wo immer nur möglich blockiert und behindert werden.

Die Aktionen der Protestierenden würden zuweilen über das Ziel hinausschießen, gibt Benedek Ficsor in Magyar Nemzet zu. Die Bewegung sei in ihrer Haltung klar gegen die Regierung gerichtet, deshalb werde „Schutz“ oft durch eine Haltung irrationalen Widerstands ersetzt, fügt der Autor hinzu. Doch macht er auch der Regierung den Vorwurf, das kostspielige Projekt ohne vorherige Konsultation von Fachgremien und Betroffenen vor Ort in Angriff genommen zu haben. Ebenso beklagt er, dass es während der laufenden Bauarbeiten immer wieder zu Planänderungen komme. Ficsor verurteilt zudem die in seinen Augen aggressive und oft irreführende Plakat- und Zeitungsanzeigenkampagne des für das Projekt verantwortlichen Unternehmens.

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