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Simicska und kein Ende

11. Feb. 2015

Ein regierungsfreundlicher Analyst vermutet, dass Medienmogul Lajos Simicska, einst Freund und enger Verbündeter von Ministerpräsident Orbán, die jüngste Kampagne gegen Regierungspolitiker eingefädelt haben könnte. Kolumnisten des linken Spektrums denken darüber nach, ob Simicska nun als wiedergeborener Demokrat anzusehen sei – oder eher als ein seine finanziellen Interessen verteidigender Oligarch.

Die Rechte brauche Einigkeit, um an der Macht bleiben zu können, meint Gábor G. Fodor, Direktor der regierungsfreundlichen Denkfabrik Századvég. Der konservative Politikwissenschaftler begrüßt in seinem Blog die Rücktritte von führenden Köpfen in Simicskas regierungsfreundlichem Medienimperium, nachdem dieser Ministerpräsident Orbán den Krieg erklärt hatte (vgl. dazu BudaPost vom 7. Februar). (Die Anschuldigungen, wonach er seine Redakteure angewiesen habe, eine Kampagne gegen Ministerpräsident Orbán oder den Fidesz zu starten, wies Simicska am Montag zurück und betonte, dass er seine Mitarbeiter lediglich gebeten habe, in ihren Berichten unvoreingenommen zu sein. Gábor D. Horváth, der neue Chefredakteur von Magyar Nemzet, fügte hinzu, dass von ihm keineswegs verlangt worden sei, die politische Ausrichtung des Blattes zu ändern – Anm. d. Red.) Fodor hebt hervor, dass die Rechte aufgrund ihrer an den Tag gelegten Einigkeit die Linke habe in zwei aufeinanderfolgenden Parlamentswahlen schlagen können. Falls sich aber bei der Rechten Zerwürfnisse offenbaren sollten, könnten sie ähnliche Auseinandersetzungen verursachen, die die Linke vergiftet hätten, spekuliert der Autor und schließt mit der Andeutung (ohne jedoch konkrete Fälle zu benennen), dass Simicska die jüngsten Medienkampagnen gegen Regierungspolitiker orchestriert habe, um die Mediensteuer der Regierung zu bekämpfen.

Simicskas harsche Kritik an der Fidesz-Regierung sei nicht dem schieren Streben nach finanziellen Interessen geschuldet, macht Róbert Friss in Népszava geltend. Vielmehr deute sie unter anderem darauf hin, dass Simicska etwas von dem demokratischen Idealismus bewahrt habe, der den Fidesz zu Wendezeiten gekennzeichnet hatte. Auch wenn Simicska im vergangenen Jahrzehnt kein Held der Demokratie gewesen sei, habe er nun doch mitbekommen, dass Ministerpräsident Orbán jedwede Kritik ersticken wolle. Orbán sei nun von all den Personen unter seinen früheren demokratischen Verbündeten und Freunden verlassen worden, denen es um etwas anderes gegangen sei als um die Erlangung von Reichtum mittels Macht.

Simicska sei derselbe korrupte Fidesz-Oligarch, der er noch letzten Donnerstag gewesen sei, kommentiert András Jámbor auf Kettős Mérce. Der Blogger aus dem linken Spektrum sieht durch Simicskas Auftritt vom Freitag den Verdacht bestätigt, dass der Fidesz von Oligarchen geführt werde. Simicskas Angriff auf den Ministerpräsidenten sei nichts anderes als ein interner Kampf unter Oligarchen, meint Jámbor. Für den Autor ist augenscheinlich, dass Simicskas Medienimperium dem Fidesz geholfen habe, die Wahlen 2014 zu gewinnen. Zudem sei Simicska zwischen 2010 und 2014 einer der größten Nutznießer von staatlichen Ausschreibungen gewesen. Demzufolge sollte Simicska nicht als Protagonist demokratischer Werte angesehen werden, fasst Jámbor zusammen.

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