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Béla Biszku 94-jährig gestorben

4. Apr. 2016

Ein konservativer sowie ein liberaler Kolumnist erinnern an den kommunistischen Parteifunktionär und Politiker, der wegen seiner Rolle bei den Vergeltungsmaßnahmen nach dem Volksaufstand von 1956 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war.

Béla Biszku gehörte dem Politbüro der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei an und war Ende der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre unter anderem als Justiz- bzw. Innenminister tätig. Der kommunistische Spitzenpolitiker war erst im Dezember 2015 zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt worden (vgl. BudaPost vom 22. Dezember 2015). Er starb am vergangenen Freitag in Budapest.

Béla Biszku habe niemals sein Bedauern geäußert oder sich für seine Beteiligung an kommunistischer Gewalt entschuldigt, schreibt Barna Borbás in Heti Válasz. Obgleich Biszku lange genug gelebt habe, um sich seiner Vergangenheit zu stellen, sei er bis zu seinem Lebensende uneinsichtig geblieben. Borbás erinnert an das letzte Interview Biszkus, in dem er geltend gemacht habe, einem fortschrittlichen Regime gedient zu haben, auf das das Land stolz sein sollte, anstatt die Gelegenheit zu nutzen, um seine bösen Taten zuzugeben und sich so eine moralische Erlösung zu verdienen.

In Népszabadság erinnert Sándor Révész daran, dass Biszku ein kommunistischer Hardliner gewesen sei, für den selbst die Rákosi-Diktatur zu nachsichtig agiert habe. Biszku habe alle Reformen oder Abweichungen von der klassischen kommunistischen Parteilinie abgelehnt. Dessen ungeachtet hält es der liberale Kommentator für höchst problematisch, dass Biszku unter anderem wegen der Leugnung kommunistischer Verbrechen schuldig gesprochen worden sei. Révész glaubt, dass eine Strafe für die Leugnung kommunistischer und nationalsozialistischer Verbrechen – ironischerweise – absolut mit der Biszku’schen Weltsicht im Einklang stehe.

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