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Fußball-WM – ein Einwanderungstest?

19. Jul. 2018

Kommentatoren auf beiden Seiten des politischen Grabens kritisieren das jeweilige Gegenüber dafür, dass das populärste Sportereignis des Jahres zur Untermauerung der eigenen Einstellung in Sachen Immigration missbraucht wird.

Auf HVG Online bezeichnet András Hont regierungsnahe Kommentare zum WM-Finale zwischen dem multiethnischen Frankreich und dem weißen Kroatien als abscheulich. Insbesondere verurteilt er einen Facebook-Kommentar des christdemokratischen Europaabgeordneten István Hollik. Er hatte gepostet: „Ein Einwanderungsland steht einem christlichen Land gegenüber, das stolz auf seine nationale Identität ist.“ Hont argumentiert, dass Frankreich kein Einwanderungsland sei, sondern eine ehemalige Kolonialmacht. Folglich hätten viele seiner Staatsangehörigen afrikanische Wurzeln. Das sei angesichts der Kolonisierung riesiger Gebiete Afrikas unvermeidlich gewesen. Jetzt versuchten sie, so viele Vorteile wie möglich daraus zu ziehen, wie nun etwa den Gewinn der Weltmeisterschaft. Verärgert äußert sich Hont auch über András Bencsik vom Wochenmagazin Demokrata, der geschrieben hatte: „Sei nicht traurig, Kroatien, die Franzosen wären dir erlegen.“ Die Spieler seien bis auf zwei alle in Frankreich geboren worden, erwidert Hont. Er glaubt, dass Bencsik ein aufrichtiger Rassist ist, im Gegensatz zu Gergely Szilvay von Mandiner, der das nie zugeben würde. Dabei habe er formuliert, dass es sich bei den meisten Spielern der französischen Mannschaft um „Söhne anderer Völker“ handeln würde. Die wahren Helden der Weltmeisterschaft sind in den Augen Honts die Frauen von Pussy Riot, die im Finale auf das Spielfeld gelaufen waren und den Stürmer Mbappé – jeweils zur Hälfte Kameruner und Algerier – abgeklatscht hatten.

Für Péter Szikszay ist es absurd, wenn Progressive behaupten würden, der Sieg Frankreichs beweise die Überlegenheit multiethnischer Gesellschaften. Sogar CNN habe ihn als Triumph der Einwanderung bezeichnet, stellt der Autor in Magyar Idők fest. Wenn dem so wäre, dann hätten auch Belgien, die Schweiz oder Deutschland mindestens unter die letzten Vier kommen müssen. Ganz zu schweigen von Holland, das es nicht einmal unter die letzten 32 geschafft habe. Verrückt, eine Fußballweltmeisterschaft als Beweis für die Gültigkeit eines politischen Arguments vorzubringen, schreibt Szikszay. Vom kroatischen Torhüter Subašić hätten seine Landsleute nicht erwartet, dass er die Idee eines multiethnischen Staates besiege, sondern versuche, den Ball zu fangen. Übrigens, so der regierungsfreundliche Kolumnist sarkastisch, hätten Massen junger Leute den Sieg der vereinten, ganz Frankreich vertretenden Mannschaft mit dem Umstürzen von Autos und dem Bewerfen der Polizei mit Steinen gefeiert. Im Stadion hätten die Spieler ihre Nationalhymne tadellos gesungen. Vielleicht sollte man auch den Jugendlichen aus den Pariser Stadtrandsiedlungen etwas Marseillaise beibringen, empfiehlt Szikszay abschließend.

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