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10. Jahrestag der Roma-Morde

26. Feb. 2019

Zehn Jahre nach einer Reihe von Mordanschlägen rechtsextremer Täter auf Roma-Familien ziehen ein alt-linker sowie ein konservativer Analyst gegensätzliche Schlussfolgerungen, glauben aber unisono, dass die Misere der Roma ein zentrales Thema in Ungarn darstelle.

In den Jahren 2008 und 2009 hatten drei Rechtsextreme insgesamt neun von Roma bewohnte Häuser in neun ostungarischen Dörfern überfallen und dabei sechs Personen getötet, darunter auch einen fünfjährigen Jungen. Weitere fünf Menschen erlitten schwere Verletzungen. Mit ihrer Mordserie wollten die Täter eine Revolte unter der Romabevölkerung und in der Folge einen Gegenschlag seitens der staatlichen Behörden provozieren. Die Täter wurden gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt. Am Sonntag veranstalteten Roma-Organisationen und Sympathisanten in Budapest einen Gedenkmarsch. Anlass war der Jahrestag der Ermordung des jüngsten Opfers.

Nach Ansicht von Gáspár Miklós Tamás ist die ungarische Gesellschaft vom Hass auf Zigeuner durchdrungen. Aufgrund dessen habe eine Gruppe gewalttätiger rechtsextremer Wachmänner glauben können, dass sie gewissermaßen echte Volksgefühle repräsentieren würde, notiert der marxistische Philosoph auf Mérce. Gleichzeitig wirft er den Oppositionsparteien vor, sie würden die Auseinandersetzung mit romafeindlichen Gefühlen scheuen, um Unterstützung seitens der Bevölkerung zu erheischen. Das, so Tamás, sei nicht die Art und Weise, wie man Wahlen gewinne.

Auf Mandiner erinnert Gellért Rajcsányi daran, dass der gegenseitige Hass vor zehn Jahren ein beispielloses Ausmaß erreicht habe. Auslöser sei der Blutrausch und das Lynchen eines Autofahrers gewesen, der ein radelndes Roma-Mädchen angefahren haben soll. „Das war der Tiefpunkt“, schreibt der konservative Autor und beschreibt, wie Jobbik seinerzeit ihre Popularität auf diesen Hass gegründet habe. Die Lösung der Probleme in den Beziehungen zwischen den Roma und der Mehrheitsbevölkerung „ist das wichtigste Thema, mit dem es diese Nation zu tun hat”, lautet das Fazit Rajcsányis.

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